Outlaws Dresden

07.02.2016
Löwen Frankfurt - Dresdner Eislöwen
1:2 (1:1,0:0,0:1)
Zuschauer: 4.197 (ca. 40 Dresdner)

(Gastschreiber Bademeister) Ein verlockendes Preisangebot der Deutschen Bahn und die Aussicht auf eine ereignisreiche Fahrt - Zugfahrten sind immer ereignisreich - führten dazu, dass sich eine kleine, aber feine Abordnung hoffnungsvoller, junger Männer aus Elbflorenz auf dem Schienenweg zum Auswärtsspiel nach Frankfurt machte. Im Gegensatz zu diversen WET-Trips durften diesmal sogar Fernzüge genutzt werden, weshalb man auf der Rückfahrt den obligatorischen, nervenden 3-5 Stunden-Aufenthalt in irgendeiner westdeutschen Klitsche umgehen konnte. Man wird ja auch nicht jünger …

Beim Treff zu früher Stunde hatte so mancher noch mit den Nachwirkungen einer vorangegangenen Geburtstagsfeier zu kämpfen, aber alsbald stabilisierte sich die Lage, sodass man störungsfrei nach Leipzig und kurze Zeit später mit dem ICE nach Frankfurt düsen konnte. Obwohl auf der Fahrt das Trinkverhalten eines Reiseteilnehmers Gegenstand für Hohn und Spott wurde, hatte sich bei der Ankunft am Zielort einiges an Leergut angesammelt: So wurde eine große Tüte allein mit Bierdosen und Umfeld gefüllt, was sehr beachtlich ist. Ein sofortiger Umtausch in Bares scheiterte an einer geeigneten Abgabestelle, weshalb der Sparfuchs … weshalb der Sparsame unter uns den Beutel fürs Erste weiterhin mitführte. Mit S- und U-Bahn erreichte man die Eishalle und nachdem Leergut und diverse andere Utensilien an geeigneter Stelle deponiert wurden, konnten an der Abendkasse erfolgreich Eintrittskarten erstanden werden und ohne nennenswerte Kontrollen wurde das Veranstaltungsgelände betreten. Im Gästeblock konnten letztendlich circa 40 Dresdner begrüßt werden, unter denen sich erfreulicherweise auch einige bekannte Gesichter befanden.

Erste nennenswerte Spielszene: Ein schöner Sonntagsschuss von der blauen Linie - drin. 0:1. Geil! Nur noch 9! So kann es weitergehen … Betört von dem famosen Auftakt waren erstmals doch relativ laute Lieder aus dem Gästeblock zu vernehmen. Spielerisch entwickelte sich das Spiel jedoch nicht wie gewünscht. Kurz nach dem 0:1 musste man den Ausgleich hinnehmen und fortan sah man ein sehr zerfahrenes Spiel mit vielen Fehlpässen auf beiden Seiten. Ein sehr schlechtes Spiel also und obendrein noch extrem körperlos. Als Fan kann man nur zur selben Einsicht wie der Trainer gelangen, nämlich dass die Batterien nach dem Auswärtsmarathon ganz offensichtlich leer waren. Im zweiten Drittel gab es quasi keine Highlights, im letzten Drittel waren das neben dem umstrittenen 1:2 vor allem mehrere Glanzparaden von Brett Jaeger, der teilweise über sich hinausgewachsen ist. Insbesondere der Frankfurter Spieler Richard Müller wird infolge von Alpträumen künftig sicherlich ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen müssen… Letztendlich kein Spiel für die Geschichtsbücher, aber drei unglaublich wichtige Punkte! Wie wichtig, werden die nächsten Wochen zeigen …

Stimmungsabsatz: Dresden solide. Was man halt so macht, mit 40 Mann und ohne Trommel. Ein paar kurze Lieder, ab und zu kurze Pausen, viele Anfeuerungsrufe. Die Beteiligung hierbei war zufriedenstellend, die Anzahl der Fans natürlich nicht. Die Frankfurter Halle hatte man mit dieser durchschnittlichen Leistung jedoch 60 Minuten voll im Griff, denn was das Heimpublikum bei diesem Spiel veranstaltet hat, spottet jeder Beschreibung. Dem aufmerksamen Auswärtsfahrer und/oder OD-Berichteleser, wird aufgefallen sein, dass die Stimmung in FFM noch nie die beste war und auch bei unseren Heimspielen in Dresden werden diesbezüglich eher selten Bäume ausgerissen. Von daher habe ich für vieles Verständnis, aber was bitte soll ich von Fans halten, die über 10-15 Minuten einfach mal NICHTS machen?! Nichts, im wahrsten Sinne des Wortes. Es war nicht so, dass im zentralen Hintertorbereich, wo die "Bembel-Crew" steht, fünf Leute was gesungen hätten und es macht halt keiner mit …Kennt man ja manchmal aus Dresden, wenn es scheiße läuft. Nein, es war Totenstille! Kein Getrommel, keine Gesänge, keine Pfiffe, nichts! Nur das Gemurmel von über 4000 Zuschauern, das Kratzen der Kufen auf dem Eis und die Rufe der Spieler waren zu hören. Ein richtig surreales Erlebnis! Ich hab erst gedacht, es gibt einen Boykott oder es ist jemand gestorben … Nein, nichts dergleichen. Mit zunehmender Spieldauer empfand ich es manchmal schon als herablassend und würdelos, wenn zum x-ten Mal in eine Spielunterbrechung (in denen meist noch nicht einmal Musik gespielt wurde, um die peinliche Stille zu durchbrechen) "ESC Dresden" hineingebrüllt wurde. Ist das nicht unpassend hier auf dem Friedhof? Die Leute wollen doch ihre Ruhe haben … Der mit Abstand lauteste Gesang der Heimfans erklang fünf Minuten vor Schluss und hatte zum Inhalt: "So ´ne Scheiße ham wir nicht verdient!" Zu einem Zeitpunkt wohlgemerkt, als es 1:2 und das Spiel auf Messers Schneide steht und Frankfurt auf den Ausgleich drückt. Wenig später wurde dann das Banner der Bembel-Crew abgehängt. … Da kann ich nur sagen: Wer so sein Team "unterstützt" und in der U-Bahn lauter ist als im Stadion, hat so eine Leistung in der Tat nicht verdient. Für solche Fans würde ich mir als Spieler nicht einmal den Schlittschuh anziehen. Naja, nicht unser Bier. Glückwunsch auf jeden Fall an die Eishockeyfans aus Freiburg. Ihr habt es geschafft, nach über sechs Jahren meine persönliche rote Laterne in Sachen "Fanszene" an Frankfurt weiterzureichen. Ein denkwürdiger Tag.

Nach Verabschiedung der Dresdner Neunerbesatzung ging es nach dem Spiel wieder zum Hauptbahnhof zurück - natürlich mit Dosenpfand. Drei Stunden Wartezeit bis zur Abfahrt des Zuges galt es nun sinnvoll zu gestalten. Der angedachte Besuch eines Irish-Pubs musste leider ausfallen, da wegen dem anstehenden Super Bowl keine Plätze in ausreichender Anzahl mehr zur Verfügung standen. Nach kurzem Rumgelunger bei Burger King entschied man sich, eine Runde durchs Bahnhofsviertel zu schlendern. Ein paar Minuten später befanden wir uns mitten in einem Songtext von UltraKaos und jedes noch so abgedroschene Klischee wird bedient. Jogginghosen, Türken mit Sonnenbrille im BMW, Dealer, Alk, Rotlicht. Und es riecht förmlich nach Gewalt. Da ist es hilfreich, mit Dosenpfand-Beutel und blau-weißer Jacke rumzurennen… "Ey Junge Alter, ist das Darmstadt?? Bist du Darmstadt alter? Sag Junge, bist du Darmstadt, du Hurensohn?"… Ne, Eishockey, Dresden. "Na gut, komm her, Bruder. Ich hasse Darmstadt. Ich ficke Darmstadt jeden Tag! Diese Hurensöhne! Eishockey ist ok. Kennt ihr Ingolstadt? Die sind ganz korrekt, die Jungs …" und so weiter. Nach einer Weile hatte man genug gesehen und wir verbrachten die letzte Stunde im MC Donalds, wo man gegen halb eins wegen mangelnder Konsumbereitschaft rausgeschmissen wurde. Die Rückfahrt startete pünktlich im ICE, wo wir Bekanntschaft mit einem Indians-Fan und einer kreuzworträtselnden Dame machten. In Fulda erfolgte gegen um zwei der Umstieg in den Nachtzug von Basel nach Dresden und zum ersten Mal machte sich das Fehlen von Platzreservierungen negativ bemerkbar. Nebenbei bemerkt: Für die Buchung der Rückfahrt war der selbe Geizkragen verantwortlich, der in Frankfurt nicht von seinem Pfand-Beutel lassen konnte … Auf jeden Fall fand man sich mit einigen anderen unglücklichen Seelen vorerst auf dem Fußboden des Fahrradabteils wieder und da unser Top-Player vorher im ICE schon seinen Charme beim Kreuzworträtseln spielen ließ, schnellte der Flirt-Faktor abermals in die Höhe. Leider wurde es versäumt, den aufgelegten Elfer auch zu versenken (es ging um einen angeblichen "Freund", der in Erfurt auf die Dame wartet…) und so begab man sich zum Wundenlecken in ein zwischenzeitlich freigewordenes Abteil. Dort ließ es sich vergleichsweise gut schlafen und kurz nach um 7 in der Früh erreichte man wieder die sächsische Landeshauptstadt.

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