Outlaws Dresden

28.12.2015
Bietigheim Steelers - Dresdner Eislöwen
6:3 (0:1,4:1,2:1)
Zuschauer: 3.920 (ca. 600 Dresdner)

(Gastschreiber Bademeister) Der zehnte Eislöwen-Sonderzug im elften Jahr stand an und angesichts dieses Spektakels machte sich auch der Autor dieser Zeilen - in der laufenden Saison auswärts noch abstinent - mal wieder auf den Weg in die Ferne. Nach entspannter Anreise mit der Regionalbahn, traf man am Hauptbahnhof auf einschlägig bekanntes Klientel und kaufte noch im Lidl diverse Regale leer, ehe man den Zug betrat.
Bedingt durch kurzfristige Anmeldung fand ich mich getrennt von den verhaltensauffälligen Abteilen in den Wagen 8 und 10 im gemäßigten Waggon 4, mit sehr angenehmen Zeitgenossen, ein. Die Hinfahrt verlief weitgehend ereignislos und leider waren auch Musik und Besucherzuspruch in den Partywagen alles andere als jubiläumswürdig und man erreichte diesbezüglich auch nicht das Niveau des Vorjahres. Auch auf der Rückfahrt änderte sich daran nichts, soviel vornweg genommen.

In Bietigheim angekommen, setzte sich ein anfangs recht ansehnlicher und lauter Marsch in Bewegung, besser als in den letzten Jahren. Unsere Gastgeber grüßten uns mit einer gesprühten Willkommensbotschaft und quasi als Absender wurde in einer Unterführung ein grüner Rauchtopf gezündet. Das Spiel war somit eröffnet und innerhalb kürzester Zeit konnte der ESC auf ungefähr 1:15 davonziehen, sodass zumindest im pyrotechnischen Vergleich ein klarer Auswärtssieg errungen werden konnte. Da der Zug eine halbe Stunde zu zeitig ankam, fand das Match ohne grün(blau)-weißes Schiedsrichtergespann statt. Ein Umstand, der uns sehr zu Gute kam, denn da die Bullen im Ländle momentan schwer einen an der Waffel haben (später mehr dazu), hätten sie sicher den ein oder anderen Treffer nicht gegeben und mit Spieldauerdisziplinarstrafen geahndet. Nach dem obligatorischen UFFTA! war es das dann mit dem schönen Marsch. Die älteren Semester missachteten wie schon die Jahre zuvor das Frontbanner und überholten eilig (um an der Halle vor verschlossenen Türen zu stehen), andere Mitfahrer führten sich übertrieben aggressiv als Stimmungsmacher auf usw. … Anstrengend! Unterm Strich jedoch kann man mit dem Vorgeplänkel zufrieden sein. In der Halle füllten die reichlich 500 Zugfahrer plus einige Privatfahrer eine komplette Hintertorseite aus. Die neue Halle weiß, nebenbei bemerkt, sehr zu gefallen. Ein moderner Betonklotz zwar, aber charmanter und kompakter als unserer, was sich auch positiv auf die Akustik auswirkt. Rekordverdächtig für ein Auswärtsspiel war die Anzahl der Zaunfahnen, der komplette Block wurde lückenlos beflaggt und ergab ein fantastisches Bild. Einige XXL-Schwenker begleiteten das Intro, auf der Gegenseite gab es eine ordentliche Anzahl Fahnen zu sehen.

Im ersten Drittel war von Respekt gegenüber dem Gastgeber oder von vorsichtigem Abtasten beider Teams nichts zu sehen. Ein Offensivfeuerwerk mit hochkarätigen Chancen auf beiden Seiten erfreute das Eishockeyherz. Unseren (zurecht) viel gescholtenen Löwen gelang nach einigen Minuten die Führung und in der Folge setzte man BiBi teilweise enorm unter Druck. Zum Ende des ersten Drittels war Dresden dem 0:2 näher als die favorisierten Hausherren dem Ausgleich und das Dresdner Publikum war verzückt, angesichts dieser beeindruckenden Leistung. Entsprechend brauchbar gestaltete sich auch die Stimmung im Gästeblock, welcher von zwei Vorsängern mit Megafon dirigiert wurde. Im Durchgang zwei zeigte Bietigheim dann mal ein paar Minuten seine Klasse und schwuppdiwupp lag man 4:1 hinten und alle zarten Hoffnungen auf einen Auswärtssieg waren jäh zerstört und kurz machte sich Frustration breit. Doch zum Jubiläumssonderzug wollte irgendwie niemand so richtig Trübsal blasen, zudem die Mannschaft ja eine akzeptable Leistung zeigte und so wurde mit einer gewissen textlichen Kreativität ordentlicher "Aber scheiß drauf-Support" betrieben. Bietigheim schaltete derweil wieder einen Gang runter und so fiel noch vor der zweiten Pause das 4:2 und plötzlich war es wieder spannend. Im letzten Drittel zeigten die Löwen dann endlich mal richtigen Siegeswillen, kämpften sich wie Sau ins Spiel zurück und wurden dann recht zeitnah tatsächlich mit dem Anschlusstreffer belohnt. Das schon abgehakte Spiel war wieder völlig offen! Die Sonderzugmeute war nun natürlich gepflegt am Ausrasten und sorgte für ordentlichen Alarm in der guten Stube. Das weitere Anrennen war jedoch nicht mehr von Erfolg gekrönt. Bietigheim verwaltete clever die knappe Führung, schießt das 5:3 und schließlich nochmal ins leere Tor.
6:3 hieß es nun also, aber mit einem Sieg hat sowieso niemand gerechnet und alle hatten ein faires, spektakuläres Eishockeyspiel gesehen und unsere Löwen haben sich gegen die Steelers wirklich teuer verkauft. Die ausgeleierte Floskel "Werbung fürs Eishockey" traf auf dieses Spiel tatsächlich zu. So waren dann doch alle sehr zufrieden und so feierte man ähnlich wie in Frankfurt letztes Jahr noch lange sich selbst, seinen Verein und da sich die Steelers sowohl sportlich als auch fantechnisch sehr korrekt präsentierten, auch sie. Auch zwei Flitzer konnten die Eisbeschaffenheit noch einmal testen. Bietigheim hat meiner Meinung nach, ähnlich wie Bad Nauheim, ohnehin ein sehr angenehmes Publikum. Stets annehmbarer Support, kein sinnloses Gepöbel von Inferno Harsewinkel-Gruppen, aber auch kein langweiliges Arschkriechen, wie es in Passau zum Beispiel war. Die aktive Fanszene ist momentan durch das Stadionverbot von zwei Führungsleuten geschwächt, welches die Polizei unter haarsträubenden Begründungen veranlasst hat und selbige droht mittlerweile sogar mit Anzeige gegen den Geschäftsführer der Steelers, sollte dieser sich über das Verbot hinwegsetzen. In diesem Sinne: Gegen alle Stadionverbote!

Der Rückweg zum Zug wurde von einigen Damen im Taxi bestritten, der Rest setzte sich wieder zu Fuß in Bewegung über die landschaftlich recht hübsche Strecke. Die Dresdner Unsitte des Laufens in Kleinstgruppen machte den nun anwesenden Streifenwagen die Arbeit augenscheinlich etwas schwer, aber das machen wir doch gerne für euch. Am Bahnhof kurbelte man noch etwas den Umsatz eines anatolisch geprägten Fastfood-Anbieters an, ehe der Zug pünktlich wieder gen Osten rollte. Wie immer beim Sonderzug machten nun witzige Anekdoten und Gerüchte die Runde, beispielsweise von zwei Dresdner Fans, welche sich offensichtlich abwechselnd als Enrico Lucke ausgaben und so in den Genuss von VIP-Häppchen kamen. Später wären wir dann fast noch in den Genuss einer Pyrorazzia gekommen, weil da wohl was aus dem Fenster flog, aber der Lokführer lehnte einen Zwischenstopp mit Verweis auf den Fahrplan dankend ab. Guter Mann! Deutsche Pünktlichkeit kann man eben nicht hoch genug einschätzen. Nach diversen Abteilbesuchen, ein paar Minuten Schlaf und dem letzten Bier zu "How much is the fish?" war es in Dresden zwar doch 30 Minuten später geworden, aber wie heißt es so schön? "Aber scheiß drauf, SoZu ist nur einmal im Jahr …"

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(Oyama) Nach den letzten Jahren (Straubing, Passau, Schwenningen, Garmisch, Rosenheim, Landshut, Bremerhaven, Bad Nauheim, Frankfurt) sollte der 10. Sonderzug (Jubiläumszug) der Dresdner Eislöwen nun nach Bietigheim-Bissingen gehen. Für mich persönlich war es immerhin auch schon der 7. Sonderzug und die Vorfreude war irgendwie dieses Jahr besonders groß. Man traf sich wie immer früh beizeiten um 7 Uhr, um die Vorbereitungen zu treffen. Die Vorbereitungszeit war dieses Jahr relativ sportlich, aber dank vieler Leute war der Zug innerhalb von 30 Minuten abfahrbereit. Rund 470 Leute waren wieder an Bord, etwas weniger als letztes Jahr. Jedoch immer wieder neue unbekannte Gesichter entdeckte ich auf der Hinfahrt des Zuges. Mein Kumpel aus Striesen deckte mich mit Paar Dosen Bier aus dem Nachbarland ein (Danke!), da ich dieses komische Gesöff Namens "Freiberger" nicht wirklich auf Dauer konsumieren kann. Nun ja, Freiberger ist nun leider mal Sponsor…
Die Fahrt verlief überraschend schnell ohne größere Aufenthalte, sodass wir bereits eine halbe Stunde eher als geplant Bietigheim erreichten. Die Zugtüren öffneten sich und eine blaue Rauchwolke stieg gegen Himmel. Vor dem Bahnhof begrüßten uns trotz zeitiger Ankunft schon ein paar Einheimische mit grünem Rauch. Überraschung gelungen! Danach ging es ohne sinnlosen Bullenfasching entspannt hinter dem "Eissportclub Dresden" Banner per Fuß Richtung Eishalle. Es blinkte und rauchte immer wieder auf dem Weg zur Eishalle. Selbst beim Uffta! an der Enzbrücke leuchteten noch paar Blinker. Sehr feine Sache! Gegen 18 Uhr erreichten wir stimmungsvoll die Eishalle. Leider muss in Bietigheim der Einlass kritisiert werden. Wenn 500 Leute sich ankündigen, sollte man mehr als nur eine Einlasstür öffnen. Das hatte man schon reibungsloser die letzten Jahre erlebt. Der J-Block wurde ausreichend beflaggt und das ist eben in Bietigheim noch gut umsetzbar, da noch viele Freiflächen am Beton dies ermöglichen. Super Sache. Auch die Größe des Blockes ist für einen Sonderzug ideal. Der ganze Block war auch zu Spielbeginn gefüllt. Es hatten sich noch einige Privatfahrer zu den Zugreisenden gesellt.

Zum Spielbeginn holten wir für's Intro einige Schwenker heraus. Auf Bietigheimer Seite waren etliche Fahnen im Einsatz, dies gab auch optisch einiges her. Das Spiel begann sehr gut für unser Team. Bietigheim machte das Spiel und wir lauerten auf Konter und führten verdient mit 1:0 durch ein Powerplay-Tor von Cullen. Der Gästeblock kochte vor Emotionen! Im weiteren Spielverlauf setzte sich dann die individuelle Klasse der Gastgeber durch und Bietigheim ging verdient in Führung. Unsere Mannschaft versuchte allerdings alles, um wenigstens noch in die Verlängerung zu kommen. Die Fans hatten ebenso die Hoffnung, allerdings reichte es am Ende nicht ganz. Und ein Empty Net Goal zum 6:3 machte alle Hoffnungen zunichte. Stimmungsmäßig versuchten wir es heute aufgrund der Größe des Blockes mit einem zweiten Capo. Dies gelang über weite Strecken recht ordentlich. Die Mitmachquote lag dieses Jahr bei weitem höher als in den letzten Jahren. Ich denke, wir können mit dieser Leistung zufrieden sein. Auf sportlicher Ebene natürlich ebenfalls. Man hielt gut mit gegen einen starken Gegner. Im Anschluss wurde noch ein wenig gefeiert.

Auf dem Rückweg zum Bahnhof kamen einige Leute durch überfrorene Nässe ganz schön ins Schlingern, jedoch war ausreichend Puffer bis zur Abfahrt gewährleistet. Andere wiederum machten noch einen Abstecher in den örtlichen Dönerladen. Der Zug fuhr pünktlich 23 Uhr ab. Auf der Rückfahrt keimten dann diverse Gerüchte im Zug auf, dass wohl der Zug gestoppt werden würde aufgrund einer Durchsuchung durch die Polizei, aber es stellte sich später heraus, das wieder viel Panik betrieben wurde um nichts. Also rollte der Zug gegen Morgen wieder in Dresden ein und nichts war passiert.

Eine sehr geile Fahrt ging zu Ende! Vielen Dank wie immer an alle Beteiligten für die Organisation und Durchführung. Der 11. Sonderzug wird so sicherlich auch nächstes Jahr wieder rollen.

Nun stehen vier wichtige Spiele gegen Crimmitschau, Frankfurt, Freiburg und WSW an. Es sollte möglichst sehr gut gepunktet werden, um Platz 6 nicht aus den Augen zu verlieren.

PS: GEGEN ALLE STADIONVERBOTE!

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