Outlaws Dresden

06.12.2015
Dresdner Eislöwen - Lausitzer Füchse
4:2 (0:1,1:0,3:0)
Zuschauer: 4.215 (ca. 300 Fanszene Collabo Dresden)

(Pumuckl) Derby Nummer 2 innerhalb von drei Tagen stand an. Nach dem freitäglichen Debakel bei den Randmeeranern konnte man nicht von einem Sieg ausgehen, dementsprechend waren Stimmung und Motivation vor dem Spiel im Keller. Um dem entgegenzuwirken, versammelte sich ein feiner Haufen OD und Umfeld am Samstagabend nach den Nachwuchsspielen in selbigem und dehnte mit allerhand Glühwein, Bier und Schnaps die Gruppenweihnachtsfeier etwas aus, fliegende Flaschen, Krücken und Notaufnahme inklusive.
Am Spieltag traf man sich ungewohnterweise mitten in der Nacht um 11 Uhr vormittags. Schließlich hatte sich der MDR angekündigt und für fünf fehlerfreie Sendeminuten bei "Sport im Osten" verlegt man die Bully-Zeit bei den Eislöwen doch gern mal einige Stunden auf 14:00 Uhr nach vorn. Dumm nur, dass genau vorher das traditionelle Eismärchen stattfand und die Halle damit erst ab 12:30 Uhr nutzbar war. Die eigentlich geplante große Choreo musste dadurch kurzfristig abgesagt werden, das hätte mit der Vorbereitungs- und Aufbauzeit definitiv nicht geklappt. Aber in Dresden muss man bei sowas nicht lange überlegen, sondern greift kurzerhand ins Regal und zaubert eine schmaler dimensionierte Ersatzaktion hervor: Frei stehende ESCD-Folienbuchstaben und einige blaue und weiße Papierbögen sorgten zu Spielbeginn im Stimmungsblock der Nordkurve für etwas optische Abwechslung. Sah recht schick aus und während unsere westlich und östlich gelegenen Derbygegner jetzt gleich mit großartigen Making-Of-Videos auf YouTube oder oberultrigen Fotodokumentationen im hauseigenen Szene-Tumblr aufwarten würden, verbuchen wir das ganze unter "solide aber unspektakulär" und warten weiterhin (vergeblich?) darauf, dass an Pleiße und Neiße mal etwas mehr als krakelige Bart-Simpson-Doppelhalter oder sinnfreie Miniblockfolien gezeigt werden.
Nachdem man sich im Grenzgebiet am Buß- und Bettag über die vermeintlich geringe Zugfahrerzahl unsererseits ausließ, waren wir natürlich gespannt, wie denn nun die Fuchsinvasion an diesem Sonntagnachmittag aussehen würde. Immerhin ist man bei einem Beginn um 14:00 Uhr auch in der Wüste pünktlich zur Sportschau wieder daheim und sollte somit eigentlich fit für die harte Arbeitswoche im Braunkohletagebau oder bei der Deutschen Vermögensberatung sein. Aber weit gefehlt, was da vor dem Gästeeingang aus dem Fanbus stolperte, war an Sinnlosigkeit kaum zu überbieten. Da wurde durch Nico von den BS aber schlechtes Busmarketing betrieben oder hat in Weißwasser neben den alten, sesshaft gewordenen Säcken auch der junge, motivierte Pöbel keinen Bock mehr auf eine Klatsche nach der nächsten? Mit zwei "großen" Bannern und zwei, drei kleineren Fetzen hatte dann auch jeder der drei im modischen 32er-Pulli anwesenden Aktiven seine eigene Zaunfahne dabei, die vom schlauen Fuchs dann auch noch so hin- und überhangen wurden, dass von unserer Seite nur der Schriftzug "Fanszene Columbo-Drezno" lesbar war. Aha.
Wie schon geschildert, starteten wir optisch mit der Ausweichaktion ins Spiel. Von WSW kam: nüscht. Böse Zungen würden das in Anbetracht der krakeligen Heimplane als weitere Steigerung auf dem Weg zur Perfektion bezeichnen. Vielleicht sind aber auch alle Farbdosen für Spruchbänder an irgendwelchen Bums-Bahnhöfen in der Lausitzer Pampa draufgegangen. Man weiß es nicht.
Stimmungstechnisch war das Spiel passend zum Geschehen auf dem Eis von beiden Seiten ziemlich dünne. Weißwasser mit kontinuierlichem K-Block-Kopier-Singsang und in Anbetracht unseres Rückstandes am Anfang das ein oder andere Mal auch im weiteren Rund zu vernehmen. Ansonsten nicht mehr als die ersten beiden Reihen halbwegs aktiv. Optisches "Highlight" auf Gästeseite war kurz nach unserem Tor zum 2:2-Ausgleich eine gelbe Rauchfackel, die auch gleich etwas Bewegung in den Block brachte. Nun sind wir ja selbst keine Kostverächter, was pyrotechnische Erzeugnisse angeht, über den Sinn von Rauch in einer geschlossenen Halle sollte aber schon einmal nachgedacht werden. Und selbst wenn die Aktion nicht von der aktiven Fanszene ausgegangen sein sollte, so zeigt es doch, dass man in der Lausitz den eigenen Gästeblock nicht unter Kontrolle hat. Aber da kann man sich mit den Busenfreunden aus Crimmitschau zusammentun. Die lassen sich ja auch das Zepter aus der Hand nehmen, sobald Berlin mit dabei ist.
Auf unserer Seite gelang es dem aktiven Kern in der Nordkurve ebenfalls nur selten, die restlichen Zuschauer mitzuziehen. Berechtigte Unmutsäußerungen gegen Mannschaft und Trainer nach den Toren der Füchse konnten mit zunehmend akzeptablerer Leistung der Blau-Weißen nur wenig zufriedenstellend in so etwas wie Stimmung kanalisiert werden. Mehr hatte im Vorfeld aber auch niemand erwartet, zu tief sitzt der Frust über die erneute Talfahrt zum Jahresende und die offensichtliche Abwesenheit eines sportlichen Konzepts auf der Trainerbank. Dennoch bleibt die Situation unbefriedigend und der Totalausfall wurde im Vergleich zu den bisherigen Heimspielen nur durch die etwas größere Anzahl der anwesenden Leute aufgefangen.
Im Verlauf des Spiels wurden von uns zwei Spruchbänder gezeigt: Mit "Fünf Minuten Sport im Osten können eine große Choreo kosten!" sollte auf den eingangs erwähnten Umstand der Vorverlegung des Spiels für Sendezeit im MDR hingewiesen werden. Wenn man sich das mit Fehlern gespickte "Produkt" des öffentlich-rechtlichen Heimatsenders ansieht, gehen einem die Fußnägel hoch, vor allem, wenn man es mit Alternativen wie Fanblock-TV vergleicht. Wenn für so viel Dilettantismus dann auch noch eine Choreo verschoben werden muss, ist das besonders ärgerlich. Das zweite Spruchband "Recherchieren statt Blamieren! Elu halt's Maul!" war ein Gruß an den rasenden Reporter einer Dresdner Boulevard-Zeitung, dessen Arbeitsweise offensichtlich aus Facebook-Surfen und dem Genuss bewusstseinsverzerrender Substanzen besteht. Anders kann man sich die provozierenden und teils faktisch falschen Beiträge in den letzten Tagen nicht erklären. Mach deine Arbeit gefälligst richtig, Kunde! Sonst landest du noch als Vermögensberater in der Wüste!
Apropos Wüste. Dorthin ging es für die anwesenden Gäste überraschend fix zurück. Die wenigen Banner wurden noch vor Abpfiff ziemlich schnell eingepackt und sich flinken Fußes in den Bus verzogen. Als man später noch etwas um die Halle spazierte, war von Blau-Gelb in Schwarz jedenfalls nichts mehr zu sehen. So genoss man noch besinnlich den ein oder anderen Glühwein auf diversen Weihnachtsmärkten, wo sich Gerüchten zufolge auch die Herren Schnabel und Popiesch gemeinsam mit Gästetrainer Rohrbach einige dampfende Tassen in den Hals stellten.

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