Outlaws Dresden

21.11.2014
Bietigheim Steelers - Dresdner Eislöwen
5:2 (0:0,1:2,4:0)
Zuschauer: 3.097 (ca. 25 Dresdner)

(Pumuckl) Manchmal muss man erst in die Ferne ziehen, um zu wissen, wie schön es in der Heimat ist. So fühlt es sich nach über fünf Jahren im arbeitsbedingten Exil jedenfalls extrem geil an, wieder in Dresden zu sein. Und trotz anfänglicher Skepsis - war man in den letzten Jahren doch, wenn überhaupt, nur mit dem Nachwuchs des ESC unterwegs - konnte tatsächlich das viel zitierte Feuer wieder entfacht und die schon verloren geglaubte Leidenschaft für den Sport auf gefrorenem Untergrund reanimiert werden. Dementsprechend hoch motiviert werden derzeit sowohl Heim- als auch Auswärtsspiele angegangen und nicht selten fühlt es sich an, als wäre man nie fort gewesen.

Und so wurde auch das Auswärtsspiel in Bietigheim fett im Kalender markiert, immerhin hat sich seit meinem letzten Besuch dort einiges getan und man spielt neuerdings in einer modernen Arena und nicht mehr im alten Geräteschuppen, der nun nur noch als Trainingseishalle dient. Also am Freitagmittag mit klapperndem Rucksack aus dem Seminar gerannt und auf zur Eishalle, wo ein zunächst mit sechs und nach einem Zwischenstopp in Siebenlehn dann acht gut aussehenden Leuten besetzter Neuner den Weg in Richtung Süden antrat. Die Hinfahrt konnte komfortabel auf dem Beifahrersitz verbracht werden und dank der Hilfe fast aller Mitfahrer war für konstante Flüssigkeitszufuhr in Form von Billig-Rotwein (aber immerhin mit Korkenverschluss) gesorgt. Die musikalische Untermalung gestaltete sich abwechslungsreich, auch wenn der eigens mitgebrachte christliche Metalcore nicht auf allzu breite Zustimmung stieß. Zumindest hielt er wach, sodass Fahrerin Claudi das Gefährt kurz vorm Ziel noch mittels beherztem Tritt in die Eisen rechtzeitig zum Stehen brachte und die vor uns stehende Blechlawine nicht noch um einen Mietneuner ergänzt werden musste.

Mit sächsisch-sympathischen Sprüchen auf den Lippen ging es ohne Umwege vom Kassenhäuschen in die nun gefühlt X-tausendste 08/15-Eisarena Deutschlands. Neben uns fanden sich noch etwa 20 weitere Blau-Weiße (und ein paar Schwarz-Gelbe) im Gästeblock ein, die es im Verlauf des Spiels jedoch vorzogen, regungslos auf's Eis zu starren und den Schnabel zu halten. Wir beflaggten die Geländer recht ansehnlich mit einigen Zaunfahnen (auch Hasisuperultrapopasi war wieder dabei!) und frönten mit Beginn des Spieles dem Einsatz optischer Hilfsmittel in Form von einigen Handfahnen, Doppelhaltern und einem großen Schwenker. Auf der Heimseite hinter dem gegenüberliegenden Tor zeigte sich ein sehr ordentliches Bild mit vielen kleinen Fahnen, die schön gleichmäßig verteilt, ausdauernd geschwenkt und - bemerkenswerter Weise, wenn ich richtig gesehen habe - in der Drittelpause ohne Probleme wieder eingesammelt werden konnten. Akustisch legten die Steelers ebenfalls los wie die Feuerwehr. Auch wenn mir persönlich ein Großteil der Melodeien nicht wirklich zusagt, laut und durchgängig war's auf jeden Fall. Respekt dafür. Zu acht hatten wir dagegen natürlich nicht den Hauch einer Chance. Allerdings fährt man ja nicht - wie beispielsweise Frankfurt oder Kassel - hunderte Kilometer zum Auswärtsspiel, um dann nur Maulaffen feilzuhalten und das Trikot spazieren zu tragen (hab eh keins). Also wurde geschrien bis die Stimmbänder zu schmecken waren und die Arme gepflegt zum Support ausgebreitet. Respektabel oder lächerlich? Egal, wir hatten unseren Spaß und die Mannschaft in Anbetracht der kläglichen Anzahl mitgereister Fans die bestmögliche Unterstützung an diesem Tag.

Gebracht hätte es fast etwas, immerhin führten die Blau-Weißen nach dem zweiten Drittel mehr als glücklich mit 1:2. Im letzten Drittel nutzten die Steelers dann aber ihre Chancen und gewannen am Ende verdient mit 5:2. Ärgerlich, aber so ist das halt oft, wenn man gegen den Spitzenreiter antritt. Dieser feierte mit der Heimkurve die verteidigte Tabellenführung ausgiebig, während wir leicht bedröppelt, nicht mehr ganz so gut aussehend, aber trotzdem landeshauptstädterisch arrogant, den Weg nach Hause antraten, wo wir gegen vier Uhr früh wieder ankamen. Ein kurzer Blick auf die Uhr - hey, in gut sechs Stunden spielen die Kleinschüler! Läuft.

Bilder

Sidelink_2
Fotos
Sidelink_5
Auswärtsfahrten
Sidelink_3
Gesangbuch (6. Auflage)
Sidelink_4
Kurvenflyer "Schulldchnsä!"
Sidelink_6
Infos für Gästefans