Outlaws Dresden

17.10.14
Eispiraten Crimmitschau - Dresdner Eislöwen
6:7 (1:1,2:0,3:6)
Zuschauer: 3.073 (ca. 400 Dresdner)

Wer zuletzt feiert, hat das Spiel gewonnen!

(Roman Dichter) Manchmal gibt es so diese Tage, an denen es echt schwer fällt, sich auf ein einziges Highlight festzulegen. Sind es die gefrusteten Verlierer in diesen neuen sozialen Netzwerken, welche sich da mit ihren Äußerungen und Kommentaren gegenseitig zerfleischen oder ist es der phänomenale Sieg der Dresdner Eislöwen, die wenige Stunden zuvor selbiges mit den Eispiraten gemacht hatten. Ist es die Genugtuung dafür, dass Tepper für seine unsportlichen Gesten mit einer weiteren Niederlage und entsprechenden Schmähgesängen abgestraft wurde oder aber einfach nur die Stimmung unmittelbar vor und nach dem Siegtreffer, 29 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit? Auch an den Tagen danach kann man sich nicht so recht entscheiden, also betrachten wir es doch einfach als ein einzigartiges Gesamtpaket. Aber eins nach dem anderen..

Zunächst ließ uns unser Busfahrer im Regen stehen, denn der dichte Berufsverkehr an diesem Freitag erschwerte eine schnelle und pünktliche Anreise zum Treffpunkt Pieschener Allee. Nachdem sich der Schauer so ca. zehn Minuten lang über uns ausregnete und sich allmählich auflöste, traf auch endlich der Bus ein. Also eingestiegen, durchgezählt und los ging es, immer dem Sonnenuntergang hinterher. Die Verkehrslage auf der Autobahn war recht entspannt und so konnte die obligatorische Anfahrt der Raststätte Auerswalder Blick auch wieder vorgenommen werden. Zusammen mit der Dunkelheit erreichten wir den Sahnpark, versorgten uns mit erstaunlich günstigen Tickets und bewegten uns weiter Richtung Einlass. Wie nicht anders zu erwarten, wurden die Kontrollen wieder etwas akribischer durchgeführt. War ja auch keine lange Schlange hinter uns, also konnte man sich ja viel Zeit lassen. Aber lustige Ordner haben die da. Denken die im Ernst, man schleppt einfach nur eine Rolle Tapete in die Eishalle? Große Verblüffung folgte, als die Ordner dann doch noch einmal auf mich zukamen und beim Nachweisversuch, dass es sich nur um eine "leere" Rolle Raufasertapete handelt, dann plötzlich Buchstaben zum Vorschein kamen. Kurzzeitig wirkte einer der Ordner etwas irritiert. Wie kann das sein? Aber nach schneller Klärung, keinen verbotenen Text veröffentlichen zu wollen, konnten wir uns in den Gästeblock begeben. In der Vergangenheit ging es beim Aufeinandertreffen dieser beiden Teams im Gästeblock auch schon einmal wesentlich beengter zu. Da sich die Möglichkeit bot, setzten sich heute zur Abwechslung mal zwei Capos auf den Zaun.
Im Vorfeld der Begegnung machte ja schon ein kleines Motto die Runde. "Dresden wegputzen" war wohl der Plan, was auch auf positive Resonanz bei den neuen Freunden aus der verbotenen Stadt traf. Und eine Choreo stand auch noch an. Aber die ist entweder nicht richtig fertig geworden oder die Ansprüche wurden auf ein minimalistisches Minimum gesenkt. Da gab es auch schon einmal bessere Zeiten. Kommen wir nun also zum Spiel.

Beide Mannschaften waren diesmal sehr offensiv ausgerichtet und so gab es kein langes Abtasten, dafür aber viele Torchancen auf beiden Seiten. Auch stimmungsmäßig ging es gleich gut los. Bei einem normalen Spielverlauf stellt es auch eigentlich kein Problem dar gegen die Heinekurve anzusingen. Nur wenn die Leute aus der Regie die Boxen beim Einspielen von Musik immer auf ein Maximum ihrer Belastbarkeit ansteuern, kommt man auch im Gästeblock schnell mal aus dem Takt bzw. gibt sich der Technik geschlagen. Auf dem Eis mussten sich die Eislöwen erstmal geschlagen geben, da die Eispiraten in der Zwischenzeit in Führung gegangen sind. Obwohl Dresden ein leichtes Chancenplus zu verzeichnen hatte, vergaben sie zunächst die sich bietenden Möglichkeiten zum Ausgleich. Wie schon in der letzten Begegnung warteten sie mit den Toren wieder bis kurz vor Schluss. Crimme gedanklich wohl schon in der Kabine am Tee kübeln, ließ Kris Sparre ziehen und der schiebt ein zum 1:1.
Wie günstig, dass Superstar Tepper zu Beginn des zweiten Drittels direkten Blickkontakt zum Gästeblock hatte, um das ihm gewidmete Spruchband wahrzunehmen. Im Nachhinein könnte man vielleicht meinen, es habe ihm eventuell zusätzlichen Motivationsschub gegeben, was so nicht wirklich beabsichtigt war. Anfangs verlief das Spiel auch genauso weiter wie im ersten Spielabschnitt, doch dann hagelte es zunächst einige Strafen für die Löwen. Die ersten Unterzahlsituationen wurden noch ohne Gegentor überstanden, aber irgendwann fängt man sich dann doch einen ein, wenn man ständig in Unterzahl agieren muss. Das eigene Powerplay wenig später funktionierte leider nicht so wirklich, denn nun häuften sich die Strafen auch auf Crimmitschauer Seite. Doch diesmal waren die Eislöwen wohl schon in der Pause, als die Eispiraten kurz vor Ende des Mittelabschnitts noch auf 3:1 erhöhten. In dessen letzten Sekunden schnupperten die Piraten wohl schon das erste Mal etwas Höhenluft, denn sie gingen jetzt sehr aggressiv in die Zweikämpfe inklusive Rangelei, was wieder Strafen für Crimme zur Folge hatte.
Das letzte Drittel hätte nicht besser beginnen können. In doppelter Überzahl fruchtete endlich auch das Dresdner Powerplay. Nach einer gefühlt unendlichen Passkombination quer durchs Offensivdrittel war es Arturs Kruminsch, der den Schuss aufs und ins Tor brachte. Und nur 17 Sekunden später folgte der nächste Treffer in normaler Überzahl zum Ausgleich. Sami Kaartinen empfing den scharfen Pass, um fast unbedrängt auf das gegnerische Tor zuzustürmen und einzunetzen. Noch 18 Minuten zu spielen und der Spielstand war wieder ausgeglichen, da geht noch was. Aber bei dieser Ausgeglichenheit sollte es nicht lange bleiben. Die erneute Crimmitschauer Führung ließ nicht sehr lange auf sich warten. Doch auch dabei blieb es nicht. Aufgrund vieler Strafen gegen die Eislöwen konnte Crimmitschau die Führung mit zwei weiteren Überzahltreffern auf 6:3 ausbauen. Im Gästeblock war die Stimmung eigentlich schon im Keller angekommen, aber ein gewisser Marvin Tepper bekam jetzt wohl richtig Höhenwasser und sorgte mit seinen Gesten in unsere Richtung wieder für etwas Aufbäumen. Die Eislöwen fingen sich auch wieder und erarbeiteten sich gute Chancen, aber der Goalie der Eispiraten hielt leider nicht so schlecht und sicherte den Vorsprung. Bis wir uns endgültig aus unserem Stimmungstief verabschiedeten, dauerte es noch eine kleine Weile. Wieder war es Sami Kaartinen, der den Anschluss zum 6:4 erzielte und neue Hoffnung aufflammen ließ. Nur noch zwei Tore Rückstand, bei noch etwas mehr als drei Minuten auf der Uhr. Die mitgereisten Dresdner auf den Rängen wieder voll dabei. Und sie wurden belohnt. In der 59. Minute ging Holmgren aus dem Tor und Sparre fälschte einen Schuss ins gegnerische Tor ab. 6:5!! Direkt nach dem Wiederanpfiff gab es eine Strafe gegen Crimmitschau. Es hieß wieder Powerplay Dresden und es sollte das dritte erfolgreiche an diesem Abend sein. Die letzte Spielminute war gerade angebrochen, als Tryout-Spieler Joni Tuominen zum Ausgleich traf! Die Eispiraten total von der Rolle, deren Keeper mit dem Versuch, den Puck aus dem eigenen Drittel zu klären, welchen die Eislöwen aber abfingen. Der Puck immer noch im Drittel der "Hausherren" und auf einmal bei Tuominen, der mit dem Schuss aufs Gehäuse, drin.. Wahnsinn!! Ausflippen, der Gästeblock steht Kopf! Das konnte man vom Rest des Stadions nicht mehr behaupten, die waren auf einmal ganz still. Als sich die meisten wohl schon mit der Verlängerung angefreundet hatten, wurde das Unglaubliche wahr. Arturs Kruminsch kann sich an der Bande durchsetzen, zieht vor das Gehäuse und TOOOOOOOOR!! 6:7, 29 Sekunden vor dem Ende, Spiel gedreht!! Was war denn hier los? Es gab kein Halten mehr und die letzten Sekunden verstrichen mit lautstarker Unterstützung der Dresdner. Ausgelassene Freude bei den mitgereisten Fans und auch bei den Spielern. Jeder von ihnen wusste, was sie hier in den letzten Minuten geleistet hatten, war unfassbar. Und das spiegelte sich auch in jedem einzelnen Gesicht wieder. Noch nie hatte ich die Spieler mit einem solch breiten Grinsen im Gesicht auf der Ehrenrunde gesehen. Und auch Tepper bekam beim Gang in die Kabine noch mal eine ordentliche Ansage, bevor wir im Block den Sieg feierten, während sich der Sahnpark schnell leerte.

Ein paar Lieder und ein durchaus überzeugendes UFFTA! später begaben wir uns zum Bus. Auf viele frustrierte Verlierer trafen wir allerdings nicht mehr. Am Bus wollten wir ganz friedlich noch etwas frische Dorfluft schnuppern, als wir plötzlich Opfer eines hinterhältigen Angriffs wurden. Aus einem der vorbeifahrenden Autos verübten unbekannte Dorfgangster einen Drive-by auf unsere kleine Gruppe. Das Geschoß, welches ich jetzt als Tatwaffe deuten würde, kam nur wenige Meter neben uns zum Erliegen. Dabei handelt es sich um einen Handfeger mit extra langem Stiel! Ist das etwa der Besen, mit dem die "Dresden wegputzen" wollten? Die Ordnungskräfte in unmittelbarer Nähe ließen sich nicht auf eine Verfolgung der Täter ein, obwohl sie in weiser Voraussicht den Motor ihres Polizeiwagens schon die ganze Zeit hatten laufen lassen und uns mit Dieselabgasen belästigten. Auch unserer Bitte, Fingerabdrücke zu nehmen, wollten sie nicht nachkommen. Also haben wir die Tatwaffe selbst sichergestellt und wer einen solchen Handfeger in seinem Sortiment an Putzmitteln vermisst, kann sich gern an die bekannte E-Mail Adresse von OD'05 wenden. Damit die Dorfsheriffs auch endlich zu ihrem verdienten Feierabend kommen konnten, traten wir, noch etwas unter Schock aufgrund des Attentates, dann auch langsam die Heimreise an.

An der Elbe tobt das Leben,
an der Elbe ist es schön.
An der Elbe, da liegt Dresden, Dresden ist so wunderschön!

And're Flüsse, and're Städte,
gibt's in Sachsen zur Genüge.
Doch wer behauptet, es sei schön da,
aus dem spricht die wahre Lüge.

Denn aus Dresden wird das Land regiert,
ihr seid Deppen, wenn ihr's nicht kapiert.
Und ob nun Neiße oder Pleiße,
Dresdner finden beides Scheiße!!

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