Outlaws Dresden

Guten Morgen Berlin, du kannst so schön hässlich sein, so dreckig und grau

(Roman Dichter) Am letzten Augustwochenende stand erneut ein Vorbereitungsturnier an. Diesmal hatten die Eisbären Berlin geladen, um anlässlich ihres sechzigsten Geburtstages im legendären Wellblechpalast ein kleines Eishockeyfest zu feiern. Dieser Einladung folgten auch zahlreiche Fans. Allen voraus natürlich die heimischen aus der Bundeshauptstadt, aber auch aus Sachsen traten einige die Reise nach Berlin an. So um die 150 Löwenfans reisten für Dresden an und auch aus Weißwasser haben es ungefähre 150 Leute geschafft, aus der Quarantänezone zu entkommen. Da sich die Westsachsen mit ihren Berliner Freunden einen Block teilten, kann man deren Anzahl nur schwer schätzen, aber es waren bestimmt auch ca. 100 Schiffbrüchige anwesend. Entgegen ersten Behauptungen, dass die Fanlager aller drei sächsischen Clubs einem geteilten Block zugewiesen werden, bestätigte sich nicht. Der Crimme/Berlin-Block befand sich zu unserer diagonalen rechten und der Füchse-Block genau auf der gegenüberliegenden Seite. Das war doch eine interessante Ausgangslage für eventuelle Pöbeleien.

Tag 1: (3060 Zuschauer)

Dresdner Eislöwen - Eispiraten Crimmitschau 1:4 (1:1,0:1,0:2)

Der Freitag begann früh. Mitfahrer abgeholt und noch lecker gefrühstückt, bevor wir uns gegen 11 Uhr vorerst von der sächsischen Landeshauptstadt verabschiedeten. Die Fahrt nach Berlin verlief, trotz einiger Baustellen auf der Autobahn, recht gemütlich und stressfrei. Gemütlich war das Wetter da oben allerdings nicht, denn der Empfang in Schönefeld begann mit Regen. Vielleicht war es auch einfach nur ein Ausläufer der dunklen Wolke, die über dem BER hängt. Nach verlassen der Autobahn, vorbei an einigen Müllhaufen und nachdem man unentspannte Berliner Autofahrer die Vorfahrt hat schneiden lassen, erreichten wir auch endlich unsere Unterkunft. Mittlerweile war es schon 14 Uhr, aber man wollte sich auch nicht auf nüchternen Magen ins S-Bahn-Chaos stürzen. War auch besser so, denn Verbindungen raussuchen, Ticket ziehen und Bahngleis finden, artete in leichten Stress aus. Aber auch Dank der Auskunft freundlicher Berlinerinnen (in der Bahn sind die Leute wesentlich entspannter!!) erreichten wir unser Ziel, wenn auch mit etwas Verspätung. Das erste Drittel war schon fast vorbei, Spielstand 1:1. Schon auf der Fahrt zum Sportforum wurde von fehlender Stimmung im Block berichtet. Die Eislöwen waren bis dahin wohl auch die bessere Mannschaft. In den letzten drei Minuten seit unserer Ankunft davon allerdings nichts mehr zu sehen. Stefan Chaput war übrigens der Schütze zum Ausgleich.
Im zweiten Drittel ließ ich mich von der Stimmungsflaute im Block anstecken. Die Eislöwen spielten auch nicht so gut wie man es eine Woche vorher beim Turnier in Dresden gesehen hatte. Stattdessen gerieten sie erneut in Rückstand und kassierten das 2:1. Die Eispiraten hatte man eigentlich als den leichtesten Gegner auf dem Plan, aber da wurden sie wohl doch etwas unterschätzt.
Damit es bei den Eislöwen vielleicht wieder etwas besser läuft, rückten wir nach der Pause zusammen und unterstützten unser Team nicht mehr nur durch pure Anwesenheit, sondern nun auch akustisch. Es machten sogar mehr mit als gedacht. Aber es half nichts. Das letzte Drittel war genauso zerfahren wie das zweite. Crimmitschau erhöhte das Ergebnis noch auf 4:1. Daran konnte auch der gut haltende Peter Holmgren nix ändern. Zwar war man alles andere als erfreut über diese Niederlage ("Das war nur ein Vorbereitungsspiel!"), aber bei den Eispiraten spielt ja jetzt ein gewisser M. Tepper. Dieser erzielte ja das 4:1 ins leere Tor. Und immer wenn besagter "Herr" an diesem Wochenende in Erscheinung trat, wurde ihm zuliebe dieses eine Liedchen angestimmt. "Marvin Tepper ist ´ne Frau!" entwickelte sich zum Ohrwurm des Turniers, jedenfalls auf Dresdner Seite. Zum Spiel der Eisbären gegen die Füchse besaß er sogar die Frechheit, sich direkt neben dem Dresdner Block ins Publikum setzen zu wollen. Dies blieb natürlich nicht unbemerkt und schon wurde wieder gesungen. Kurz danach wurde er nicht mehr gesehen. Musste sich wohl die Tränen aus dem Gesicht wischen lassen…

Eisbären Berlin - Lausitzer Füchse 3:0 (1:0,0:0,2:0)

Am Abend spielten die Füchse und der Gastgeber den Einzug ins Finale aus. Obwohl die Füchse schon früh in Rückstand gerieten, boten sie dennoch ein starkes Spiel und kamen auch zu ihren Torchancen. Besser als bei uns unterstützte die mitgereiste Füchse-Anhängerschaft anfangs auch ihre Mannschaft. Allerdings fehlten jetzt eine Gruppe schwarz gekleideter Personen und deren unleserliches Banner. Schon vor dem Spiel machte ein Gerücht die Runde, dass es zu einer Schlägerei vor der Eishalle gekommen sein soll. Welche Gruppierung das wohl wieder gewesen sein könnte?!
Gegen den Support aus dem Berliner Block kamen sie aber nicht an. Der Dresdner Block machte natürlich auch mit gelegentlichen Anti-WSW-Gesängen auf sich aufmerksam.
Nach einem torlosen Mittelabschnitt machten die Eisbären im letzten Drittel mit zwei weiteren Toren den Sack zu.
Später auf der Heimfahrt erfuhren wir von einem Berliner Fan, dass es keine wirkliche Rivalität mehr zwischen Berlin und Weißwasser gibt. Das überrascht ein wenig, da der Dynamo-Kult aus früheren Zeiten ja auch in Berlin weiter gelebt und geliebt wird. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass man in der Vergangenheit keine wichtigen Duelle mehr gegeneinander ausgetragen hat. Da es am nächsten Tag zu der Begegnung Dresden gegen Weißwasser kommen sollte, konnten sich alle Interessenten einmal davon überzeugen, wie es bei solch einem Spiel so zugeht.

Nach dem Spiel folgte der kulturelle Berlin-Teil. Bei der Welli-Abreise kamen wir irgendwie mit ein paar Leuten aus Crimmitschau und Berlin ins Gespräch. In der S-Bahn trafen wir dann auch auf ein paar Füchse. Die waren ausnahmsweise sogar mal richtig in Ordnung und wohnten sogar im schönen Dresden. Nur sind die halt leider mit diesem Füchse-Virus infiziert. Als in der Tram ein kleines Mädchen auf uns zukam und unbedingt ihren Schal mit uns tauschen wollte, brachte es einer nicht übers Herz dies abzulehnen. Nach genauer Betrachtung des Tauschs war man mit dem Ergebnis nicht so sehr zufrieden. Die Farben Blau/Weiß waren ja erstmal nicht schlecht. Aber dieser Glitzer und die Aufschrift "Eisbären Mädel"? Nee, das war nix… Jegliche Versuche, das Teil später gegen einen anderen Schal zu tauschen, scheiterten kläglich.
"Die Moral aus der Geschicht: Tausche deinen Lieblingsschal nicht! Und ist das Mädel auch noch so klein, solltest du keine Memme sein!!"
Weiter in der U-Bahn bekamen wir ein Bier gesponsert und hatten zudem noch eine lustige Begegnung mit dem Ordnungsamt. "Wer lesen kann, ist klar im Vorteil!"… Jepp, die beiden Kirschen, die gerade aus der Bahn gestürmt sind, waren damit wohl überfordert. Wie schon gesagt, die Bahn-Berliner sind irgendwie ein ganz anderes und entspannteres Volk. Am Alex angekommen, besorgten wir uns erstmal wieder Nachschub und suchten dann nach der Haltestelle des Fernbusses unseres Nachzüglers. Die Haltestelle haben wir nicht ausfindig machen können, aber Dank Handy und Werbetafeln fand man sich auf Umwegen dann schließlich doch. Und da es sich in guter Gesellschaft besser trinkt, quatschten uns auf einmal zwei Finnen an, die uns für Landsleute hielten. Trotz leicht angeheitertem Zustand klappte es mit der Kommunikation ganz gut und so unterhielten wir uns eine ganze Weile über Finnland und deren Eishockey. Unserer Einladung, am nächsten Tag mit zum Welli zu kommen, sind sie dann aber leider nicht gefolgt. Sind Finnen etwa doch nicht so trinkfest? Wer weiß… Bier macht hungrig, ab zum nächsten Dönermann ´ne Currywurst essen. Ach nee, ich hab ja Hunger, also doch lieber ´nen Döner! Dort ließen wir den Abend auch so langsam ausklingen. Noch zwei Bier bestellt, eins zum gleich Trinken und das andere für auf'n Weg. Schon fast ungewohnt ereignislos gestaltete sich der Weg zurück ins Hotel.

Tag 2: (3360 Zuschauer)

Dresdner Eislöwen - Lausitzer Füchse 4:2 (1:1,2:0,1:1)

Noch etwas gerädert vom Vortag setzten wir unser Kulturprogramm am Samstag eher gemütlich auf der Spree fort und so schipperten wir auch mal durch die schönen Ecken Berlins. Sonnenbrand inklusive.
Die Eishalle erreichten wir auch heute wieder mit etwas Verspätung. Diesmal aber nur um drei Minuten. Als wir die Eishalle betraten, fiel schon das erste Tor für die Füchse. Nach der etwas peinlichen Niederlage gegen die Eispiraten und dem recht starken Spiel der Füchse gegen die Eisbären hatten wir mit so etwas in dieser Richtung gerechnet. Allerdings hatten wir uns für heute vorgenommen, unser Team lautstark zu unterstützen. Dieses Vorhaben haben wir dann auch ohne Trommel ganz gut umgesetzt, auch wenn es sich nur um ein "unwichtiges Vorbereitungsspiel" handelte. Mit den Leuten, die bei Auswärtsspielen vertreten sind, läuft es stimmungsmäßig sowieso meistens besser. Es schien auch etwas geholfen zu haben, denn die Löwen spielten wieder viel besser zusammen. Dieser M. Tepper wurde auch wieder gelegentlich gesichtet und aus dem Dresdner Block freundlichst gegrüßt. Der verdiente Ausgleich durch Feodor Boiarchinov egalisierte den Treffer der Füchse noch im ersten Drittel.
Zwar kam Weißwasser zu ein paar Torchancen, aber die bessere Mannschaft waren heute die Eislöwen. In der 30. Minute erzielte endlich auch Sami Kaartinen seinen ersten Treffer der neuen Saison. Kurz vor Ende des Mittelabschnitts konnte Eric Stephan in Überzahl das 3:1 erzielen. Der Förderlizenzspieler aus Jonsdorf gehört neben Seifert und Berthold mit zu den jüngsten Spielern im Team und auch er kann jetzt seinen ersten Treffer für Dresden verzeichnen. Ähnlich wie die Stimmung auf den Rängen ging es auch auf dem Eis sehr hitzig zu. Ein Bandencheck gegen Slavetinsky zog einen Spielverweis für Weißwasser nach sich und auch sonst kam es immer wieder zu kleinen Rangeleien. Das änderte sich auch im letzten Drittel nicht. Nach einem Alleingang von John Koslowski auf das Füchsetor konnte dieser nur noch durch ein Foul gestoppt werden. Den fälligen Penalty verwandelte er mit einem satten Schuss durch die Beine des Keepers zum 4:1. Das 4:2, welches die Eislöwen in der letzten Spielminute kassierten, interessierte dann auch keinen mehr. Höchstens vielleicht Nastiuk im Tor. Dresden hat diese Saison wohl echt ein Torwartproblem, wenn auch im positiven Sinne, denn eine klare Nummer 1 haben wir eigentlich nicht. Der Vorbereitungsderbysieg wurde anschließend noch ein bisschen gefeiert.

Eisbären Berlin - Eispiraten Crimmitschau 8:0 (0:0,5:0,3:0)

Während die beiden Mannschaften auf dem Eis als Gegner gegeneinander antraten, fanden sich die Fanlager wieder in einem gemeinsamen Block zusammen. Man könnte es direkt auch als kleine Kuschelecke bezeichnen. Richtig laut waren nur die Berliner Fangesänge, die der Gäste aus dem beschaulichen Crimmitschau dagegen eher selten und wohl auch nur mit Berliner Unterstützung.
Die Eispiraten waren im ersten Drittel sehr gut aufgestellt und machten es dem Favoriten sehr schwer, sich Chancen zu erspielen. Doch im zweiten Abschnitt war dann Schluss mit lustig. Innerhalb weniger Minuten gingen die Eisbären mit 4:0 in Führung. In die zweite Pause ging es dann schon mit 5:0. Man freute sich insgeheim schon auf eine zweistellige Packung für Crimme, aber diesen Gefallen wollten uns die Eisbären dann leider doch nicht tun. Die Eispiraten gingen nur mit 8:0 unter, wobei ein Ehrentreffer schon verdient gewesen wäre.
Letztendlich waren wir direkt irgendwie froh, dass die Revanche gegen die Berliner dann doch nicht geglückt ist.
Die Feier im Partyzelt ließen wir aus und verabschiedeten uns gut gelaunt, wenn auch etwas geschlaucht, vom Welli, um noch ein bisschen was vom Berliner Nachtleben mitzunehmen.
Ein schönes und sehr gelungenes Turnier neigte sich dem Ende. Hier ging es mal nicht nur um hohen Profit, was man z.B. an den günstigen Cateringpreisen gesehen hat, sondern um tolle Eishockeyatmosphäre im legendären Wellblechpalast. Am Sonntagmorgen verließen wir die Bundeshauptstadt so wie wir am Freitag empfangen wurden: im Regen…

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