Outlaws Dresden

25.11.2012
Team mit NHL-Goalie - Dresdner Eislöwen 2:1 (0:0, 1:1, 0:0) n.P.
Zuschauer: 2.544 (ca. 400 aus Doppel-D)

(Marko)
Mit zwei Bussen und zahlreichen Privatfahrern ging es diese Saison das erste Mal in Richtung Osten nach Weißwasser zum Derby. Eine gewisse Vorfreude war durchaus zu spüren und man rechnete sich einige Chancen auf zwei bis drei Punkte aus. Leider konnte man aufgrund der Niederlage am vergangenen Freitag die Mannschaft nicht mehr entsprechend heiß machen, wofür Thomas Popiesch aber sicher der perfekte Mann ist, sollte ihm die Bedeutung des Spieles durchaus bewusst sein. Aber um das vorweg zu nehmen, leider waren auf dem Eis das ganze Spiel über nur sehr wenige Emotionen im Spiel. Wie so oft bei uns in letzter Zeit, aber wer will bei den aktuellen Erfolgen schon ausschweifend meckern.
Also zurück zur Anreise, die mit kleineren Pausen und ohne größere Probleme verlief. An der bekannten Brücke kurz vor dem Provinznest war dann auch ein Schriftzug mit nettem Gruß an Dresden zu sehen und man wähnte sich aufgrund der Sprache nun doch schon in Polen, wollte ich das Thema doch eigentlich komplett raus lassen. Von wem die Sache stammte war aufgrund des Kürzels auch schnell klar und man freute sich, dass die Fanszene WSW überhaupt noch etwas auf die Reihe bekommt. Hurra. Ansonsten hatte man es im Vorfeld immerhin noch geschafft auf der FB-Seite der blauen Söhne die "Homos aus dem Tal der Ahnungslosen" zu begrüßen und auch die gefürchtete bereits erwähnte Sprayer-Gruppierung titulierte "Jagd die Schweine aus der Stadt!". Ganz schön mutig, da bekommt man wirklich Angst bzw. lacht einfach nur über die Dummheit und Primitivität des Gegners.
In Weißwasser dann wieder zahlreiche Grünlinge mit einer ordentlichen Anzahl an Fahrzeugen anwesend, welche sich aber bis zur Abreise sehr im Hintergrund hielten, gut so. Gegenüber der Halle befindet sich übrigens nun ein Sozialmarkt und keine Drogerieeinkaufsmöglichkeit von einem größeren Familienkonzern, welcher vor einer Weile Insolvenz anmelden musste, mehr. Irgendwie symbolhaft für unsere Vorstellungen als arrogante Landeshauptstädter von der Provinz und den sozialen Verhältnissen im tiefen (braunen?) Osten kurz vor der polnischen Grenze. [Im Sanitärtrakt wurde doch tatsächlich durch Zufall ein Zettel gefunden, auf dem eine Parole mit dem Inhalt Antisemitismus, Ausländerhass und die Klarstellung, wem dieses Land zu gehören hat, niedergeschrieben worden war. Was soll man dazu noch weiter schreiben…] Der Einlass klappte heute wirklich sehr gut und das eigene Material passierte ohne Probleme die Kontrollen, es geht also, wenn man will und passiert ist trotzdem nichts.
Der Gästeblock war anfänglich nur sehr spärlich gefüllt, sollte sich aber bis zum Beginn noch einigermaßen gut füllen. Aber wirklich gut war das heute nicht, gerade wenn man bedenkt, dass das letzte Derby schon eine Weile her ist und Sonntag war, da gab es leider einige Dresdner Fangruppierungen, die man heute komplett vermisste. Das muss in Zukunft unbedingt besser werden, vor allem dann beim zweiten Spiel in dieser Saison und wohl letztem der Dresdner Eislöwen im Fuchsbau, in den Playoffs werden wir uns ja sicher nicht begegnen. Also ein paar Zaunfahnen aufgehängt und die mitgebrachten Fahnen verteilt. Auf Heimseite dann zu Spielbeginn eine nett anzusehende Choreo, ganz dem großen D gewidmet.
Das Spiel im ersten Drittel noch sehr zerfahren und es sollte auch während des Großteils des Spieles so bleiben. Die Lausitzer mit minimiertem Kader, aber mit NHL-Goalie im Tor und beide Mannschaften agierten sehr defensiv. Im zweiten Drittel dann die Blaugelben mit Kontertor und wir mit dem Konterausgleich 14 Minuten später. Insgesamt neutralisierte man sich weitestgehend, wobei auf unsere Seite mehr Wille und Zug in Richtung Tor zu erkennen war. Aber keine der wenigen guten Chancen wurde genutzt und im Penaltyschießen gelang dann nur ein Treffer und der "NHL-Star" hielt den Sieg für die Heimmannschaft fest. Die fehlenden Emotionen auf dem Eis hatte ich ja schon erwähnt und die nur 14 Strafminuten, welche gut verteilt waren, belegen diesen Aspekt. Ob den Sieg gegen uns auch der reguläre zweite Torhüter (die Nr. 1 war verletzt) festgehalten hätte, bleibt offen. Interessant ist, dass sich die Anhänger beim eigenen Derby in Crimmitschau noch gegen NHL-Stars aussprachen und im ganzen Team den Star sahen. Auch die Offiziellen, insbesondere der WSW-Trainer, nahmen die NHL-Verpflichtungen da noch mit Humor und machten sich öffentlich darüber lustig. So schnell ändern sich die Zeiten und die Situation, jetzt feiert man den Derbysieg und den neuen Torhüter nach seinem ersten Spiel. Übrigens war er kurz nach dem Derby in die Slowakei verschwunden, private Angelegenheit, aha. Ob er wohl wieder kommt, fragt man sich nun. Er wäre ja nicht der erste Spieler, der aus der Lausitz so schnell wie möglich wieder verschwindet, wir haben Verständnis. Es wurde ja schon länger über eine KHL-Vertragsunterschrift in Moskau spekuliert, ich denke spätestens am Ende des Wochenendes wissen wir mehr…
Festzuhalten bleibt, dass öffentlich gesagt worden ist, dass für den Spieler nur eine hohe vierstellige Summe für vier Wochen aufgebracht werden muss, was ich aber für falsch, zumindest aber für fragwürdig erachte. Gerade wenn man bedenkt, dass die Kosten für Flug, Auto, Wohnung/Hotel (Gibt es so etwas in Weißwasser?), Spielerpass, usw. und natürlich die teure Versicherung anfallen… Beim Thema wirtschaften wollen wir ja den Mund nicht zu voll nehmen, aber man ist schon immer wieder überrascht, wie es diversen Clubs möglich ist, die Kosten für NHL-Spieler aufzubringen. Auch eine gewisse Wettbewerbsverzerrung ist da durchaus vorhanden, aber lassen wir das an dieser Stelle. Umso stolzer macht einen die Leistung des eigenen Teams in dieser Saison. Play-Offs, wir kommen! Stimmungsmäßig lieferten die circa 400 Dresdner bei rund 2100 Heimfans während des Spieles nur das Nötigste ab. Hin und wieder wurde es etwas lauter und auch das Heimvolk hatte nach dem Führungstreffer fünf starke Minuten, während denen man selbst keinen Stich sah, dann folgte aber der Ausgleich und damit setzten sich die hilflosen Supportbemühungen einiger Weniger, wie auch schon im ersten Teil des Spieles bis zum eigenen Sieg im Penaltyschießen fort. Für euch hat es also wieder mal gereicht. Nach dem Spiel zogen sich die Dresdner nach der Verabschiedung der eigenen Mannschaft relativ schnell in Richtung Busse zurück, was ja auch vom Sicherheitskonzept so vorgesehen ist. Die Abfahrt verzögerte sich dann noch wie immer eine Weile und das feiernde Heimvolk zog zum Teil direkt am Bus vorbei. An Sinnlosigkeit wirklich nicht zu überbieten und einiger verbaler und minimaler körperlicher Kontakt konnten beobachtet werden. Aber alles halb so schlimm und der Dresdner Anhang war auf keinen größeren Ärger aus. Ein ganzes Stück hinter den Bussen sammelte sich dann noch der Heimmob der heimischen Fanszene von ca. 15 Leuten in modischem Schwarz gekleidet und suchte den Kontakt zu Einzelpersonen, was auch kurz gelang. Die Staatsmacht dann schnell zur Stelle und schon war die Sache erledigt. Auffallend waren heute auch einige Zivis, welche des Öfteren gesichtet worden sind und auch einzelne Ansprachen vornahmen. Der (frühere?) Einsatzleiter der grünen Freunde war heute übrigens mit Füchsetrikot undercover zwischen den Heimfans bereits vor dem Spiel hinter dem Gästeblock anzutreffen. Aber das ist ja nicht neu. Schließlich fuhren die Busse ab und auch alle privat angereisten Dresdner machten sich auf den Heimweg. Es passierte also nichts weiter und man sieht sich dann Mitte Januar wieder. Übrigens reicht für uns der eine Punkt, um auf Tabellenplatz acht hochzuspringen und das mit drei Spielen weniger als der liebe westsächsische Konkurrent, Play-Offs und so. Das ist die Runde, die ihr liebe Füchslein nur alle paar Jahre erreicht und bei der dann meist nur noch ein geringes Zuschauerinteresse besteht.

Bis bald!

Freitag alle zum Derby gegen Crimmitschau!

P.S.: Und noch das Beste zum Schluss: Man sollte in WSW doch wohl langsam, aber sicher mal anfangen, in der eigenen Fanszene aufzuräumen, ist schon irgendwie blöd, wenn einige wenige Leute eine Choreo stemmen und der Konter den Inhalt dann ad absurdum führt. So lange und entsetzte Gesichter habe ich ja bei den Jungs in blau noch nie gesehen. Das war schon ein feiner Anblick. Apropos Anblick: Von der Choreo und den Spruchbändern inklusive Stimmung im berühmt-berüchtigten K-Block war vom Gästeblock aus weder etwas zu sehen noch zu hören.

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