Outlaws Dresden

29.08.2012
HC Slavia Prag - Dresdner Eislöwen 1:1 (0:0,1:1,0:0)
Zuschauer: ca. 500 davon ca. 250 Dresdner

Prag auswärts

(Grombrindal)

Die Entscheidung war im Vorfeld schnell gefallen und man hatte sich auf das Anbieten von Bussen für dieses als interessant eingestufte Testspiel verständigt. Gab es in den letzten Jahren doch kaum ein Auswärtsvorbereitungsspiel, welches einen großen Zuspruch erreicht hatte. Nun also ins Ausland, nach Tschechien, nach Prag, nach Eden, sehr schön. Zwei Busse sind es letzten Endes sogar geworden und zahlreiche Autobesatzungen hatten sich ebenfalls auf den Weg gemacht. Was unverständlich bleibt, ist die Tatsache, dass zu so einem Spiel an einem Mittwoch um halb sechs auf einmal zwei Busse rollen. Warum nicht öfter so? Sind die Spiele um Punkte und die Gegner in der 2. Bundesliga weniger interessant? Es scheint so, dass der Eventcharakter diesmal doch stark im Vordergrund stand und sich deshalb so viele Leute motivieren ließen. Immerhin spielt natürlich auch das Interesse an der Mannschaft nach allen Unwegsamkeiten im Sommer eine Rolle und sicher haben sich die meisten darauf gefreut, endlich wieder das eigene Team in relativer Nähe zu Dresden auf dem Eis zu sehen. Wenn ich aber auch an diverse Emails im Vorfeld zurückdenke, bekomme ich aber schon wieder das Kopfschütteln. Ist die Karte bei der Fahrt schon mit dabei? Was kosten die Karten denn? Wird es ausreichend Karten geben? Oh man, letzten Endes war dann wirklich locker die Hälfte des Publikums vom Eventerlebnis gelenkt und fährt sonst sicher kaum bis gar nicht auswärts. Damit sind ausdrücklich nicht die Fans gemeint, die man in aller Regelmäßigkeit bei den Spielen unserer Eislöwen zuhause und auch auswärts antrifft. Der Eintritt sollte am Ende sogar kostenlos möglich sein. Also los!

Die ersten zog es bereits am Morgen in die Stadt und man nutzte die Zeit um alles ausführlich zu begutachten. Prag ist einfach sehenswert und als absolute Weltstadt einzuordnen. Nachdem man selbst arbeitsbedingt die Abreise des Busses nicht erreichte, fuhren wir dann schließlich zu zweit mit dem Auto am frühen Nachmittag in Richtung Prag. Die Fahrt wusste zu gefallen und es ging schnell voran. Die Busse auf der Autobahn, die wohl erst im nächsten Jahrzehnt fertig werden wird, auch noch überholt und das Navi schaffte es nach anfänglichen Schwierigkeiten bei der Zielprogrammierung und einem permanentem Wackelkontakt des Kabelanschlusses, uns direkt auf dem kürzesten Weg in den Stadtteil Vršovice (Eden genannt) zu lotsen. Also wurde direkt im angrenzenden Wohngebiet geparkt. Lustig anzusehen sind die Slavia – Sparta – Hooligans - Schmierereien, bei denen die Namen des jeweils anderen vom Rivalen übersprüht worden sind. Also erst einmal die Eishalle suchen. In der Ferne war das Eden Stadion zu sehen, davor einige Trainingsplätze und das Atletický stadión von ASK Slavia Prag schließlich noch begutachtet und schließlich fand man beim zweiten Blick das Zimní Stadion Eden. Den ersten Leuten Hallo gesagt und nach und nach sollten jede Menge Eislöwensympathisanten eintreffen. Das Bier im Biergarten der Stadionkneipe war natürlich sehr lecker, aber mit 36 Kronen durchaus etwas teuer. Leider gab es im Stadion keine Verpflegung in Form von gegrillten Würsten oder Ähnlichem, also musste man sich etwas Essbares in der Stadionkneipe besorgen, hatte man doch noch reichlich Kronen im Gepäck. Nach anfänglichen sprachlichen Schwierigkeiten fand sich dann schnell immerhin eine Kellnerin, die etwas Englisch sprach und uns sogleich die englischsprachige Karte brachte. Den Auswahlmöglichkeiten waren nun wirklich kaum Grenzen gesetzt und man genehmigte sich ein paar erstklassige Wiener Schnitzel mit Pommies. Natürlich dauerte die Zubereitung ein wenig und so verbrachte man das erste Drittel in der Kneipe. Das Spielgeschehen konnte nur zum Teil beobachtet werden, da sämtliche Plätze in Stadionscheibennähe ab 17:00 Uhr reserviert waren. Teilweise war dort um sechs noch niemand eingetroffen, man wurde aber vehement daran gehindert diese Plätze für eine Weile einzunehmen. Slavia mit einer ordentlichen Anzahl an Leuten im Heimblock, welche inklusive Vorsänger das ganze Spiel über aktiv waren und inklusive einiger Schwenkfahren eigentlich immer was sangen und wirklich gute Stimmung machten. Eine Brise Rauch gab es im ersten Drittel auch noch zu bestaunen. Sehr schön. Die Dresdner Gäste sammelten sich in der Mitte der Stehplatztribüne in vernünftiger Zahl. Auf der anderen Seite befindet sich die zweite Tribüne komplett mit Sitzplätzen ausgestattet und auch hier hatten sich einige Dresdner neben dem Heimpublikum niedergelassen. Stimmungsmäßig im ersten Drittel bei uns gar nichts los, verzichtet man als Gruppe doch auch in diesem Jahr auf organisierten Support bei den Testspielen und der anwesende Rest wollte oder konnte nicht so richtig. Im zweiten Drittel sollte es dann durchaus motivierter zur Sache gehen und ein großer Teil des Dresdner Anhangs zog nun sogar mit und sorgte für eine gute Atmosphäre. Im letzten Drittel dann etwas schwächer aber für ein Testspiel immer noch sehr gut. Es macht eben auch wirklich Spaß, mal in einer richtig schönen alten Eishalle mit feiner Akkustik sein Team zu sehen und anzufeuern.

Unseren Jungs ist eine starker Auftritt zu bescheinigen, auch wenn man doch sehr sehr defensiv auftrat und die eine richtig große Chance, die man sich erarbeitet hatte, nutzen konnte. Slavia mit zahlreichen Chancen und vielen schönen Kombinationen, aber unsere Abwehr inklusive einem starken Kellen im Tor stand sicher. Wenn man bedenkt, dass man hier gegen eine sehr gute Extraligamannschaft spielte, war das wirklich eine sehr gute Leistung, obwohl es natürlich ein Testspiel bleibt. Unentschieden mit einem Tor auf jeder Seite sollte das Spiel dann auch zu Ende gehen, leider folgte keine Penaltyschießen oder gar eine Verlängerung und man strömte anschließend nach draußen, um bei schönem warmen Wetter noch das ein oder andere Bier zu sich zu nehmen. Man war durchaus zufrieden mit dem Erlebten und wartet nun darauf, dass die Busse losfahren sollten. Einige jugendliche Slaviafans hatten sich auch in der Nähe niedergelassen, glotzten aber nur blöd. Die Leute liefen nun vereinzelt in Richtung Busse und die Jungs mit einigen Mädels im Schlepptau setzen sich in Bewegung. Sinnloserweise wurde nun von einigen unserer Normalos eine Kippe in deren Richtung geschnipst und auch ein paar Kurze Sparta-Rufe folgten. Die vier Jungs nun sehr aufgebracht und der größte, besoffenste, mit schönem rotem Pullover ausgestattete und natürlich Schal vor dem Mund, Typ musste nun Rumposen und sich von zwei seiner Kollegen festhalten lassen. Man stand sich also gegenüber, ein lustiges Bild. „Sparta=Rival“ wurde man noch belehrt und schließlich nahm sich einer der Jungs ein Herz und griff nach einem über die Schulter geworfenem Pullover eines in Richtung Auto unterwegs befindlichen Dresdners. Nun natürlich großes Gerenne und Gejage. Ist aber nichts weiter großartig passiert und der Pullover konnte schnell zurückgeholt werden, sollte man doch nicht in einen Busch auf der einen Seite reinspringen, um dann nach einigem geräuschvollem Geraschel direkt wieder auf der anderen Seite herauszuspringen. Insgesamt war die ganze Aktion mal wieder typisch, da man irgendwie mit nichts weiter von Slaviaseite nach dem entspannten Spiel gerechnet hatte. Man zog sich nach lustigen Diskussionen (Highlights wie: „This ist not pride with four on one.“ und "Fuck dich selbst and go back in Ghetto!“ – und hat denn eigentlich jemand das geforderte Foto gemacht?) schließlich in Richtung Busse und Autos zurück und es sollte sehr schnell wieder aus Prag heraus und zurück nach Dresden gehen. Ein feiner Ausflug war das und man hofft auf eine Wiederholung im nächsten Jahr, dann aber natürlich unbedingt gegen einen anderen Gegner.

Fotos

Sidelink_2
Fotos
Sidelink_5
Auswärtsfahrten
Sidelink_3
Gesangbuch (6. Auflage)
Sidelink_4
Kurvenflyer "Schulldchnsä!"
Sidelink_6
Infos für Gästefans