Outlaws Dresden

25.03.2012
Dresdner Eislöwen vs. REV Bremerhaven
4:3 (2:1; 1:0; 1:2)
Zuschauer: 2243 (30 Gäste)

(Gastschreiber Philipp)

Ganz wichtiger Sieg gegen Bremerhaven

Der nächste Schritt Richtung Klassenerhalt ist geschafft. In einem sehr richtungsweisenden Spiel konnte heute nach harten, langen und kampfbetonten 60 Minuten Bremerhaven 4:3 niedergerungen werden.

Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen und so gab es heute nur eine Woche nach der imposanten Choreografie gegen Crimmitschau eine ebenfalls sehr beeindruckende Aktion in der Kurve zu sehen. Vom Oberrang wurde über die gesamte Fläche der Nordkurve in zwei Teilen eine riesige Folie gezogen, auf der das bekannte „Nordkurve Dresden“-Logo zu sehen war. Dazu strahlte vom Plexiglas aus ein schlicht gehaltenes Spruchband die Spieler an - „Wir glauben an euch!“ Die Message ist klar: Wir, die Fans der Dresdner Eislöwen, stehen jetzt, wo es gegen den Abstieg und um die Existenz des Profieishockeys in Dresden geht, wie eine Wand hinter der Mannschaft, haben nicht den geringsten Zweifel daran, dass unsere Spieler mit dem bisher gezeigten Herzblut am Ende mindestens eine Mannschaft hinter sich lassen können und leisten von den Rängen aus die Unterstützung, die wir in unserer Position als Fans geben können. Vor allem aber stehen wir als „Nordkurve Dresden“ GEMEINSAM hinter unserem Team und feuern dieses GEMEINSAM an. Vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen gab es daher gar keinen besseren Zeitpunkt für eine solche Choreografie. Es wäre überaus begrüßenswert, wenn sich alle Fans zumindest so lange, bis der Verbleib in der Liga geschafft ist, zusammenreißen und das Wichtige nicht aus den Augen verlieren. Das Wichtige heißt zunächst, jeder Truppe, die auch nur daran denkt, gegen Dresden Punkten zu wollen, auf dem Eis und auf den Rängen den Arsch zu versohlen. Wenn der Klassenerhalt geschafft ist, gibt es immer noch genügend Zeit, Spannungen innerhalb der Fanszene zu lösen und auch noch genügend Zeit, andere Lieblingsvereine anzufeuern bzw. deren Abstieg zu bedauern.

Wie schon gegen Crimmitschau verfehlt die Choreo ihre Wirkung im ersten Drittel nicht. Die Eislöwen erneut mit einem ganz starken Beginn, wirken wie aufgeputscht und erspielen sich Torchance um Torchance. Bremerhaven kann nicht viel entgegensetzen und ist nach 20 Minuten mit dem 1:2 noch sehr gut bedient. Im Mitteldrittel wird die Partie hektischer und die Atmosphäre auf dem Eis zunehmend unfreundlicher. Der Spielfluss kommt auf beiden Seiten fast völlig zum Erliegen und neutrale Zuschauer mit dem Anspruch, tolle Kombinationen und feine Spielzüge zu sehen, dürften spätestens zur zweiten Drittelpause die Halle gefrustet verlassen haben. Kurz vor Drittelende kann Sami Kaartinen dann ein Überzahlspiel nutzen und das vielumjubelte 3:1 erzielen. Sami Kaartinen im Übrigen mit einer ganz starken Leistung heute und völlig zurecht zum Spieler des Tages gewählt. Die seichte Polemik aus dem Chemnitz-Spielbericht hat also genau die richtige Reaktion bewirkt. Im Schlussabschnitt macht Bremerhaven dann eindrucksvoll deutlich, dass sie beabsichtigen sich mit aller Macht gegen die drohende Niederlage / gegen den drohenden Abstieg zu wehren. Schließlich nutzen auch sie ein Überzahlspiel und können so den 2:3-Anschluss erzielen. Von nun an wird der Druck auf das Gehäuse von Silverthorn immer größer und die Eislöwen kommen immer seltener zu Entlastungsangriffen. Als Bremerhaven die Schlinge immer fester zuzieht und der Ausgleich nur noch eine Frage der Zeit scheint, nimmt Popiesch zum Glück eine Auszeit, die unseren Helden im wahrsten Sinne des Wortes erst einmal eine kurze Pause zum Verschnaufen bringt. Das Zittern geht jedoch weiter und fast alle Szenen spielen sich weiterhin vor Silverthorns Tor ab. Mal wirft sich ein Dresdner Spieler im letzten Moment in den Schuss, mal rettet man sich mit einem Icing und unzählige Male hat Steve in höchster Not noch Handschuh oder Kelle parat. Auf der anderen Seite werden die wenigen Konterchancen vergeben, zum Teil denkbar knapp. Die Spannung angesichts dieser so großen Bedeutung des Spiels kaum noch auszuhalten. Stoßgebete, selbst zugeführte Kneifverletzungen an den Ellbogen- und Kniekehlen sowie kurze, knappe Schlachtrufe – zumeist mit dem thematischen Schwerpunkt „Kämpfen“ – sind die stummen und lauten Zeugen des nervenaufreibenden Abstiegskampfes. Dieses kaum auszuhaltende und nicht enden wollende Schauspiel geht immer so weiter, bis anderthalb Minuten vor Schluss. Dann nimmt Bremerhaven seinen Goalie raus. Angriff REV, Dresden kommt in Puckbesitz, Zack – langer Pass vor, Zack – kurzer Pass quer, Mücke schiebt ein – Tor! 4:2! Unbeschreiblicher Jubel! Die Halle steht Kopf, man wird umarmt, gedrückt und geherzt. Kaum einer guckt noch aufs Spielfeld. Dort nimmt Bremerhaven aber unmittelbar nach Bully noch einmal den Torwart raus und schafft jetzt mit sechs Feldspielern tatsächlich noch einmal den Anschluss. Das darf doch wohl nicht wahr sein, die sind einfach nicht totzukriegen! Es heißt „Zittern bis ganz zum Ende“. Noch mal ein Schlagschuss, noch einmal Gewühle vorm Tor, die letzte Minute will und will einfach nicht vergehen. Dieser Sieg MUSS über die Zeit gerettet werden, er MUSS! Koste es was es wolle. Noch einmal Befreiungsschlag und Icing bei 0:10 zu spielen. Noch einmal Befreiungsschlag und Icing bei noch 0:02 zu spielen. Nochmal Bully vorm eigenen Tor. Manchmal ist es dumm, alles schon erlebt. Jetzt bloß das Bully gewinnen. Irgendwie einen Stock reinkriegen und den Puck rausprügeln. Bully. Geschafft. Aus. Gewonnen. Dresden 6 Punkte. Bremerhaven 1 Punkt. Mit der Brechstange, mit Willen, mit Glück. Egal. Gewonnen. Wie, danach fragt morgen keiner mehr.

Stimmung wie auch Zuschauerzahl für so ein wichtiges Spiel eher enttäuschend. Bremerhaven mit ca. 30 Leuten am Start, die Hälfte davon Szeneleute. Im ersten Drittel sehr engagiert, im weiteren Verlauf dann eher unspektakulär, von den zwei-drei Nackedeis in Reihe 1 mal abgesehen.

Weiter geht’s. Freitag alles was geht nach Crimmitschau! Scheißegal ob die absteigen, Bremerhaven oder jemand anderes. Hauptsache wir nicht.

Wir glauben an euch!

u.a. Choreoimpressionen

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