Outlaws Dresden

24.02.2012
Dresdner Eislöwen - Landshut Cannibals

in Chemnitz
2:1 (0:0; 1:1; 1:0)
Zuschauer: 1.147 (60 Gäste aus Landshut)

(Marko)

Ein „Heimspielbericht“

Wie soll man nach so einem Erlebnis anfangen? Gestern Abend war Heimspiel, naja Heimspiel ist nicht so ganz richtig, da man quasi im Exil in Chemnitz verweilte. Aber irgendwie war es überraschenderweise eines der besten Heimspiele der gesamten Saison, vielleicht das bis jetzt Beste und man fragt sich, wie es so weit gekommen ist. Alles fing mit dem berüchtigten Dachschaden an: „Es kommt die Zeit, in der das Wasser wieder steigt…“, dieses Mal eben von oben. Chaos herrschte in der Eishalle und auch bei jedem Fan und einigen Zuschauern. Wie sollte es weiter gehen? Das erste Heimspiel wurde verlegt und schließlich nach einer Abstimmung im Internet sollte die Entscheidung pro Chemnitz fallen. Auch wir hatten im Sinne der Nordkurve Dresden zu einem Heimspiel in Chemnitz mit mindestens 1000 Besuchern aufgerufen und im Nachhinein kann man sagen, dass man alles richtig gemacht hat. Bei vielen setzte eine Solidarisierung ein und es wurden von einem großen Sponsor sogar kostenlose Busse für bis zu 400 Eislöwenfans eingesetzt. Danke dafür! Aber es gab eben auch die anderen Stimmen, ich will sie einfach an dieser Stelle als Zuschauer bezeichnen, denn die Bezeichnung Fans haben sie in meinen Augen einfach nicht verdient. Es hat sich gerade in dieser schwierigen Zeit gezeigt, was für ein Eventpublikum man sich herangezogen hat. Es ist vollkommen verständlich, dass es nicht jeder zu einem Spiel um 20:00 Uhr in Chemnitz aufgrund von Arbeit, Verpflichtungen u. ä. schaffen kann, auf diese Fans sollen sich die Worte auch nicht beziehen, aber es gab doch einige Nörgler, denen man es einfach nicht Recht machen konnte. Bezeichnend ist da, dass nicht alles Busse ausgelastet waren und nicht die erhofften zehn auf die Reise gingen. Warum bekommen die Leute einfach nicht ihren Arsch hoch? Gerade in der aktuellen Situation. Immerhin wird man kostenlos zum Spiel gefahren und muss dann vor Ort 11,- Euro Eintritt für ein Spiel der 2. Eishockeybundesliga bezahlen und das bei freier Platzwahl in einer Sitzplatzhalle. Alle die sich ein wenig für den Club interessieren dürfte klar gewesen sein, dass dieses Spiel richtungsweisend sein könnte, nicht im sportlichen Sinne, aber im finanziellen und nicht zuletzt auch für die Zukunft der Fans untereinander und vor allem miteinander. Finanziell sieht es nach der Verschiebung des letzten Spieles nämlich sehr düster aus und die über 1000 Fans sind als Erfolg zu werten, wobei ich denke, dass durchaus noch etwas mehr drin gewesen wäre. Da wären wir aber schon wieder beim Thema Arsch hoch und ich will jetzt nicht weiter meckern, denn dazu gibt es keinen weiteren Grund. Zahlreiche Busse und viele Autos aus Dresden trafen im Küchwald ein und der zuvor ausgerufene Stimmungsblock wurde mit Fahnen geschmückt und immer mehr Leute fanden sich im selbigen ein, so dass man immer weiter zusammenrücken musste. Die Anzahl der Leute war schon ganz ordentlich und ein, zwei zaghafte Lieder ertönten bereits vor dem Spiel. Auch der Mannschaft wurde beim Betreten des Eises sofort deutlich gemacht, dass man heute zum Heimspiel antrat. Landshut traf nun auch mit einem Bus ein und die sechzig Leute machten sich hinter dem Tor mit einigen Fahnen breit. Ungefähr zwei Drittel normale Eishockeyfans und circa ein Drittel Leute der Young Generation, welche natürlich rein äußerlich imagebedingt auftraten, damit da gar keine Irritationen erst aufkommen. Wirkte nach meinem Empfinden alles sehr aufgesetzt und das ein paar Treppen Herunterstürmens eines Herren mit Sonnenbrille mit einer sensationellen V-Geste (Dafür gibt es auf jeden Fall einige Punkte, da sie fast perfekt ausgeführt worden ist.) beim einzigen eigenen Tor ist da symbolhaft. Supportet wurde auch ab und zu über das ganze Spiel verteilt, was aufgrund der wunderbaren Akustik natürlich auch gut bei uns ankam. Mir persönlich war das aber alles zu alibimäßig, wobei das zeitweise Rumsitzen einiger Akteure gut ins Bild passte. So aber auch hier genug des Meckerns und meine Anerkennung für die Anzahl der Leute, die man an einem Freitag in den Osten bewegt hat, wobei ich den Flyer, der zur Fahrt aufrief, mit dem verschneiten alt ehrwürdigen Heinz-Steyer-Stadion im Hintergrund nicht wirklich verstanden habe. Passt aber irgendwie ins Bild.

So nun aber wieder zu uns zurück und dem sehr guten Auftritt im ersten Drittel. Man legte nach dem schönen Fahnenintro und dem zweigeteilten Spruchband: „Löwen geben niemals auf! Jetzt erst Recht!“ ordentlich los und die Gesänge sowie Schlachtrufe schallten sensationell durch die Halle. Die Mannschaft war wohl im ersten Drittel noch nicht richtig da und man hatte praktisch gesehen keine richtig große eigene Chance, kämpfte aber wie immer gut und konnte durch eine kompakte Abwehrleistung inklusive dem das ganze Spiel über sehr gut haltenden Steve Silverthorn ohne Gegentor in die erste Pause gehen. Das zweite Drittel begann auf den Rängen noch etwas schleppend, doch es wurde dann schnell wieder besser. Aber Landshut machte das Tor. Egal, man trieb die eigenen Mannschaft weiter an, wurde mit einem genial abgeschlossenen Konter durch das Tor von Normen Martens belohnt, welcher es sich nicht nehmen ließ vorm Block zu feiern. Genialer Moment und nun spielten nur die Eislöwen und die Stimmung erreichte zum ersten Mal einen Höhepunkt, als die ganze Halle außer den Landshutern sang. Es wurde einem bewusst, dass man hier und heute den Tabellenzweiten wirklich schlagen würde können, aber es sollte trotz guter Chancen wie so oft zu keinem weiteren Tor reichen.

Kurz in der Drittelpause erholt und das Team weiter angetrieben. Aus dem Gewühl heraus folgte dann sogar der Treffer zum 2:1 durch Patrick Jarrett und die Stimmung schwabbte nun in genialer Lautstärke durch die Halle. Kurz vor Schluss dann noch ein Faustkampf vorm Block, den man leider nicht so ganz gewann, aber dies sollte keine große Rolle spielen. Der Landshuter Brandl hatte nun noch das Bedürfnis seine Zunge zu entlüften, was einen Herrn im blauen Pulli am Plexiglas vorm Block zum Ausrasten brachte, so wie dann den ganzen Block inklusive einer Fahne, welche nun irgendwie den Weg auf das Eis fand. Der liebe Herr Brandl fing nun an diese mit seinem Schlittschuh hinfort zuschieben und der gesamte Block war ordentlich am Toben, worauf hin Sami Kaartinen eingriff und diese wieder zurück in Richtung Fanblock warf, wohl seine beste Saisonleistung. Das sind Emotionen, das ist Eishockey. Dies wurde gerade in diesem Moment noch mal besonders deutlich, obwohl das Spiel für uns eigentlich bedeutungslos war. Wie hatte man sich nach einem solchen Sieg gesehnt, nach den ganzen Rückschlägen der vergangenen Tage. In der letzten Minute wäre dann fast das Dach abgehoben, als sich die gesamte Halle (Landshuter Arschlöcher wie immer ausgenommen) erhob und gemeinsam die Dresdner Eislöwen feierte. Gänsehaut, zum ersten Mal seit langer Zeit. Nach dem Abpfiff folgten natürlich noch einige Feierlichkeiten mit dem gesamten Team und man war froh bei diesem Erlebnis dabei gewesen zu sein (der Landshuter Haufen verschwand währenddessen bereits aus der Halle in ihren Bus in Richtung Niederbayern). Nun kann uns eigentlich nichts mehr aufhalten, zumindest bis morgen oder so. Naja wir machen einfach weiter, was soll man sonst tun. Ein Dank geht an dieser Stelle an die sensationelle Unterstützung und den geilen Block der Eislöwenfans in Chemnitz. Man hat sich selbst bewiesen, dass es eben doch noch geht, dass man zusammensteht und sein Team gemeinsam nach vorn treibt. Ich denke, dass alle Spaß an diesem Erlebnis Eishockey hatten.

Nach dem Heimspiel am Dienstag in der Trainingshalle vor nur rund 450 zugelassenen Personen, wird sich bis zum Freitag entscheiden, ob das Derby gegen den geliebten ESW in Dresden stattfinden kann oder ob man eine Ausweichmöglichkeit wahrnehmen muss, wenn dies überhaupt möglich wäre bei mindestens 4000 Besuchern. Es muss weitergehen und wir wünschen den Verantwortlichen auf diesem Weg das nötige Durchhaltevermögen und endlich mal etwas Glück.

Für den ganzen motzenden Rest, welcher immer noch nicht erkannt hat, dass es gerade richtig derb um die Existenz von Profieishockey in Dresden und auch um erhebliche negative Auswirkungen auf den Nachwuchs im Verein hat, habe ich nur einen Gruß: Fickt euch!

Blau und Weiß ein Leben lang! Jetzt erst recht!

PS: Ein dankender Gruß geht an Chemnitz, insbesondere an diesen Einen, der dort die Fahne hoch hält.

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