Outlaws Dresden

02.10.2011
Starbulls Rosenheim - Dresdner Eislöwen 4:3 (2:1; 1:1; 1:1)
2146 Zuschauer, davon ca. 150 Gäste

(Gastschreiber Philipp)

Das Spiel bei den Starbulls Rosenheim weckte im Vorfeld gleich aus mehreren Gründen Erwartungen an eine vielversprechende Auswärtsfahrt. Zum einen hat Rosenheim das wohl schönste Stadion im deutschen Profieishockey sowie eine interessante und breite Fanszene, die man ruhigen Gewissens als eine der besseren in der Branche bezeichnen kann. Andererseits bot der darauffolgende Feiertag endlich mal wieder die Möglichkeit, mit einer etwas größeren Zahl von Gästefans in eine Stadt einzurücken, die nicht Crimmitschau oder Weißwasser heißt. Zudem hatte ein in Dresden recht populärer Fußballverein am Nachmittag unweit der Szenerie ebenfalls ein Spiel zu bestreiten, was neben den üblichen Exilern noch ein bisschen zusätzliche Unterstützung im Gästeblock versprach. Umso größer dann die Enttäuschung, dass der geplante Fanbus vor der Fahrt doch abgesagt werden musste und man erneut mit Autos und Neunern Vorlieb nehmen musste.

Auf der Hinfahrt sorgten prächtiges Wetter, eine Vielzahl skurriler Radiomeldungen und Nähkästchengeschichten sowie diverse Zwischen- und Endergebnisse aus deutschen Fußballstadien für Kurzweil und gute Laune. Nachdem ein paar gute Jungs am Parkplatz Seehamer See einen Luftballon zerstörten, stimmte dann auch endlich der Riotfaktor. Kurz vor Rosenheim öffnete sich dann der Blick auf die wunderschöne Bergwelt der Alpen und alle waren froh, mal wieder hier zu sein, im Land, wo der Bub' die Oma noch über die Straße bringt, im Land des unverwechselbaren Bayern 3-Musikprogramms mit seinem nicht minder unverwechselbaren Verkehrsinfo-Jingles. Nicht wenige waren geneigt, für einen Kurzurlaub spontan rechts Richtung Brenner abzubiegen und dafür eines von 52 Eishockeyspielen mal sausen zu lassen. Fehlende Konsequenz verhinderte dies letztendlich.

Aus spielerischer Sicht kann man die Begegnungen zwischen Rosenheim und Dresden zu den Highlights der Vorsaison zählen. In allen vier Partien lieferten sich die Mannschaften einen offenen, sehenswerten Schlagabtausch auf Augenhöhe und in allen vier Partien gewann jeweils die Auswärtsmannschaft. Einen ähnlichen Leckerbissen gab es dieses Mal leider nicht zu sehen. Die Partie wurde von den Mannschaften längst nicht so intensiv geführt und auch die spielerische Klasse war auf beiden Seiten (noch) nicht ganz so vorhanden wie 2010/2011. Dresden geht mit dem ersten Angriff überhaupt in Führung, Rosenheim macht seinerseits aus der ersten gefährlichen Situation den Ausgleich. Unsere Löwen danach einfach zu passiv und nicht konsequent genug in der Verteidigung, sodass Rosenheim noch ein weiteres Tor gelingt und mit 2:1 in die Pause gehen kann. Der Sportbund dominiert auch das zweite Drittel und gerade als der Druck auf das 3:1 immer größer wird, zieht Jarret von halblinks einfach mal ab. Maracle kann den Puck nicht festhalten und so steht es auf einmal wieder 2:2. Kurz darauf dann die erneute Führung für Rosenheim durch Mitch Stephens per Schlittschuhtor. Der Treffer heftig umstritten, aber verdient für Rosenheim allemal, die sehr viel aktiver im Spiel waren als unsere Löwen. Die Vorentscheidung dann im Schlussabschnitt. Rosenheim gewinnt ein Bully, Hacker bekommt den Schuss in die Torwartecke und der Puck flutscht durch die Achselhöhlen irgendwie rein - 4:2 für Rosenheim. Dass es nicht Hackers bester Tag war, untermauerte selbiger wenige Minuten später, als er bei eigener Überzahl einem Rosenheimer den Puck quasi vor die Füße spielt. Dass der Rosenheimer wiederum zu dämlich war, den Puck ins leere Tor zu hauen und stattdessen lieber den Pfosten traf, wurde Sekunden nach Ablauf der Strafzeit bestraft, als Francz den Anschlusstreffer machte. Mehr war aber nicht drin. Es blieb beim 3:4 aus Dresdner Sicht, vor allem weil das Überzahlspiel zu schwach war, die Mannschaft nicht richtig in die Zweikämpfe gekommen ist und dieses Mal kein übermenschlicher Torwart da war, der die Punkte irgendwie doch noch festhalten konnte. Kein Grund zur Panik, aber dieses Spiel war ein guter Beleg, dass man die Erwartungen an die Mannschaft nicht zu hoch schrauben sollte. Die Löwen werden nicht von Sieg zu Sieg eilen, sondern mit dem dünnen Kader jeden einzelnen Punkt hart erkämpfen müssen.

Die Fans beider Seiten zeigten sich angesichts von 21 Jahren Deutscher Einheit in Feierlaune und nutzten die gesamte Dauer der Sportveranstaltung ausgiebig, um die jeweilige Freude über die Wiedervereinigung kundzutun. Im bestens geschmückten Gästeblock fanden sich ca. 150 Sympathisanten aus der Landeshauptstadt ein und legten im ersten Drittel einen ordentlichen Auftritt aufs Parkett. Mit der lautstarken Unterstützung schien man die Mangfallkurve auf dem falschen Fuß erwischt zu haben, denn dort konnte in den ersten 20 Minuten kein nennenswerter Support initiiert werden. Die Damen und Herren rissen sich nach dem Pausentee allerdings zusammen und steigerten sich zur Normalleistung. Positiv fällt in Rosenheim vor allem auf, dass es immer dann laut wird, wenn die Mannschaft wirklich Unterstützung benötigt, das Spiel auf der Kippe steht oder es gerade mal nicht so läuft, wie z. B. nach dem 2:2-Ausgleich, während bei eigener Führung im ersten Drittel vergleichsweise Stille herrschte. Im Gästefanblock passte man sich leider nach dem guten ersten Drittel der Leistung der Mannschaft an. Mit zunehmender Spielzeit griff Lethargie um sich und bei vielen fehlte der letzte Wille, gegen die Heimfans anzusingen und sich hier und heute die Stimme für den Verein wund zu schreien. Unterm Strich also leider eine eher enttäuschende Vorstellung. Ärgerlich vor allem deshalb, weil mit den vielen Fans im Gästeblock ein wahrlich beeindruckender Support drin gewesen wäre, wie man an den sehr lauten vereinzelten Schlachtrufen gesehen hat.

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